Treffen Trump-Putin Sicherheitsexperte: Die EU könnte zerrieben werden

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Der Politikwissenschaftler und Experte für US-Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, Marco Overhaus. Foto: Stiftung Wissenschaft und PolitikDer Politikwissenschaftler und Experte für US-Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, Marco Overhaus. Foto: Stiftung Wissenschaft und Politik

Osnabrück. Wie wird die Regierungszeit von Donald Trump das transatlantische Verhältnis verändern? Die EU läuft Gefahr, zwischen den Machtblöcken Amerika, Russland und China zerrieben zu werden. Das sagt der Experte für US-amerikanische Sicherheitspolitik, Marco Overhaus, von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).

Was erwarten Sie von dem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin?

Die Erwartungen hängen niedrig. Natürlich ist es grundsätzlich positiv, dass Trump und Putin sich zum ersten Mal unter vier Augen treffen. Aber die große Sorge ist, dass Trump Dinge zur Disposition stellt, die er gerade erst mit den Nato-Partnern vereinbart hat. Zum Beispiel gibt es die Sorge, er könne die russische Annexion der Krim anerkennen– obwohl die Nato-Partner bei ihrem Gipfel vor wenigen Tagen dies gerade scharf verurteilt haben. Aber Trump ist eben Trump. Ein positives Ergebnis des Treffens könnte sein, dass die Atmosphäre zwischen den USA und Russland sich verbessert. Vielleicht einigen sich beide darauf, den New-Start-Vertrag, der die strategischen Nuklearwaffen beider Staaten begrenzt und 2021 ausläuft, zu verlängern. Das wäre ein Erfolg.

Trump verfolgt eine neue außenpolitische Strategie, er bricht mit Verträgen, düpiert die europäischen Bündnispartner von Nato und EU und trifft sich mit ehemals verfeindeten Herrschen wie dem Nordkoreaner Kim oder Putin. Wie könnte eine neue Weltordnung unter Trump aussehen?

Das Grundproblem ist, dass Trump kein Interesse an multilateralen Vereinbarungen hat, für ihn zählen nur Beziehungen zwischen zwei Staaten, im Idealfall zwischen zwei starken Führern. Der US-Präsident hat eine Aversion gegen die EU, weil er dort seine teile-und-herrsche-Strategie nicht durchsetzen kann. Unter Trump könnte die Weltordnung weniger gefestigt und weniger liberal werden. Internationale Organisationen würden dann erodieren und unbedeutender werden, weil Entscheidungen zunehmend außerhalb von ihnen getroffen werden. Dann besteht die Gefahr, dass die EU zwischen Russland, China und den USA zerrieben werden – weil alle EU-Staaten ziemlich klein sind und die EU keine sicherheitspolitische Macht hat.

Die USA verquicken in ihrer Außenpolitik politische Themen wie Militärausgaben mit wirtschaftlichen Interessen bei Handel und Erdgas. Wo wird das hinführen?

Für die transatlantischen Beziehungen ist es desaströs, dass Trump auch unter Freunden nur noch die Kategorien Gewinner und Verlierer kennt. Das ist sehr konfliktträchtig. Die Verbündeten haben bei Trump keinen Vertrauensvorschuss.

Der Versuch der Europäer, Trump zu besänftigen, ist mehrfach gescheitert. Was sollten sie nun tun?

Europa bleibt in vielerlei Hinsicht von den USA abhängig. Vor diesem Hintergrund kann Europa nur verlieren, wenn es strikt auf Konfrontation zu Trump geht. Ich würde einen pragmatischen Kurs empfehlen. Deutschland und die EU sollten ihre eigenen Positionen klar machen und daran festhalten. Das wird ja auch schon versucht, zum Beispiel bei der Rettung des Iran-Abkommens. Und über eines sollte man sich klar sein: Die Europäer werden das transatlantische Verhältnis neu ausrichten müssen. Weil die USA eine gerechtere Lastenteilung fordern und nicht mehr bereit sind, für die internationale Zusammenarbeit den Großteil der militärischen, politischen und finanziellen Lasten zu tragen. Dieses Thema wird auf der Agenda bleiben – auch unter einem Nachfolger von Trump.


Das Institut SWP gehört zu den einflussreichsten deutschen Forschungseinrichtungen für außen- und sicherheitspolitische Fragen.

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