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US-Präsident in Großbritannien Trump beim Golfspielen in Schottland – Proteste gehen weiter

Von dpa

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Donald Trump (Mitte), Präsident der USA, spielt Golf beim Trump Turnberry Resort. Hier verbringen der US-Präsident und seine Frau das Wochenende. Foto: dpa/Jane Barlow/PA WireDonald Trump (Mitte), Präsident der USA, spielt Golf beim Trump Turnberry Resort. Hier verbringen der US-Präsident und seine Frau das Wochenende. Foto: dpa/Jane Barlow/PA Wire

London. Bei seinem Besuch in Großbritannien tritt Donald Trump diplomatische Gepflogenheiten mit Füßen. In einem Interview teilt er gegen Premierministerin May aus. Lässt sich der Schaden begrenzen?

US-Präsident Donald Trump verbringt das Wochenende nach seinem offiziellen Besuch in Großbritannien mit Treffen, Telefongesprächen und Golfspielen in Schottland. Das teilte Trump am Samstag per Kurznachrichtendienst Twitter mit. Auf Fernsehbildern in der BBC war er in einem Golfbuggy auf dem Gelände seines Golfclubs Turnberry in der schottischen Grafschaft Ayrshire zu sehen. "Das Wetter ist wunderbar und dieser Ort ist unglaublich", schrieb Trump.


Unterdessen versammelten sich wieder Tausende Menschen, um gegen Trump zu demonstrieren. Allein in Schottlands Hauptstadt Edinburgh wurden 10.000 Anti-Trump-Demonstranten erwartet. Auch ein Ballon in Form eines Trump-Babys in Windeln stieg dort wieder auf. Hunderte demonstrierten vor Trumps Golf-Resorts in den Grafschaften Ayrshire und Aberdeenshire.

Auch in London gingen am Samstag Gegner, aber auch Befürworter des US-Präsidenten auf die Straße. Am Freitag hatten dort Zentausende ihrem Ärger über Trump Luft gemacht. Sie werfen dem US-Präsidenten Sexismus, Rassismus und Hass auf Homosexuelle vor.

100.000 Demonstranten in London

Zehntausende Menschen waren am Freitag gegen den Besuch von US-Präsident Donald Trump in Großbritannien auf die Straße gegangen. Laut Schätzungen der Initiative "Stop Trump" waren allein in London sogar mehr als 100.000 Demonstranten auf der Straße. Auch in anderen Städten wie Manchester, Glasgow, Belfast und Windsor gab es Demonstrationen. Mehrere Protestzüge führten durch die Londoner Innenstadt zum Regierungsviertel zwischen dem Parlament und dem Trafalgar Square. Die Polizei teilte am Nachmittag mit, der Platz habe seine Kapazität erreicht. Über der Innenstadt kreisten mehrere Hubschrauber.

Aufgerufen dazu hatten unter anderem Gewerkschaften, Menschenrechtsaktivisten und religiöse Gruppen. Sie werfen Trump unter anderem Sexismus, Rassismus und Hass auf Homosexuelle vor. Mit Slogans wie "Trump nicht willkommen" oder "Weg mit Trump" machten sie ihrem Unmut über den US-Präsidenten Luft.

Weiterlesen: Protest gegen US-Präsidenten – "Trump-Baby" steigt über London auf

Hunderte hatten sich bereits am Vormittag auf dem Parliament Square versammelt und beobachtet, wie ein etwa sechs Meter großer Helium-Ballon in Form eines Trump-Babys in Windeln über dem Platz schwebte. Für Aufregung sorgte am Freitagabend ein Greenpeace-Aktivist, der mit einem Gleitschirm kurz nach Trumps Ankunft mit einer Protestbotschaft in niedriger Höhe über das Golf-Resort Turnberry flog.

Bereits am Donnerstag hatten mehrere Hundert Menschen vor dem Eingang zum Gelände von Blenheim Palace, nahe Oxford, demonstriert. Dort hatte Premierministerin Theresa May Trump zu einem Gala-Dinner empfangen. Auch vor der Botschafterresidenz in London, wo Trump die Nacht verbrachte, hatten Dutzende Aktivisten am Donnerstagabend lautstark auf sich aufmerksam gemacht.

Besuch bei der Queen

Queen Elizabeth II. hat Trump und First Lady Melania auf Schloss Windsor empfangen. Die 92 Jahre alte Monarchin begrüßte die beiden am späten Freitagnachmittag mit militärischen Ehren im Innenhof des Palasts. Sie hatte zunächst mehrere Minuten lang dort gewartet. Das sorgte für Verwirrung. Laut Übersicht des Weißen Hauses war der Empfang für 17 Uhr (Ortszeit) angesetzt. Die Queen erschien aber schon 12 Minuten früher im Hof. Trump stieg dann um 17.01 Uhr aus seinem Wagen.

Die Queen lächelte, als sie dem US-Präsidenten und der First Lady die Hände schüttelte. Sie trug einen königsblauen Mantel mit passendem Hut. Unter ihrem Arm klemmte eine schwarze Handtasche. Trump erschien in einem blauen Anzug mit gestreifter Krawatte. First Lady Melania trug ein crèmefarbenes Kostüm. Rotuniformierte Gardisten spielten die amerikanische Nationalhymne.

Donald Trump, First Lady Melania Trump und die britische Königin Elizabeth II in Schloss Windsor. Foto: Steve Parsons/PA Wire/dpa

Anschließend zog sich die Monarchin mit ihren Gästen zum Tee zurück. Nach knapp einer Stunde verließen die Trumps das Schloss wieder. 

Ursprünglich hatte Premierministerin Theresa May Trump zu einem Staatsbesuch im Namen der Queen eingeladen. Das stieß aber auf heftigen Widerstand in Großbritannien. Knapp 1,9 Millionen Menschen unterzeichneten eine Petition, um den Besuch herabzustufen, weil er "die Queen in Verlegenheit bringen würde".

Trump ist der zwölfte US-Präsident, den die Monarchin traf. Der erste war Harry S. Truman im Jahr 1951. Damals war sie noch Prinzessin Elizabeth. 

Erster Eklat schon vor dem Besuch

Mit einer beispiellosen Breitseite gegen die britische Premierministerin Theresa May hat US-Präsident Donald Trump bei seinem Besuch in Großbritannien einen Eklat ausgelöst. Trump kritisierte die angeschlagene Premierministerin in einem Interview der Boulevard-Zeitung "The Sun" für ihre Brexit-Strategie und drohte ihr mit dem Scheitern eines möglichen Handelsabkommens zwischen Großbritannien und den USA. Außerdem lobte er ihren Rivalen Boris Johnson. 

Beim öffentlichen Auftakt eines Treffens am Freitagmittag waren Trump und May bemüht, den Anschein von Normalität zu wahren. Weder der US-Präsident noch die Premierministerin gingen auf den Eklat ein. Trump sagte, die Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien seien "sehr, sehr stark". Die britische Premierministerin erklärte, es gebe sehr viel zu besprechen. "Wir werden über die besondere Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und den USA sprechen, die großartig ist." Beide trafen sich auf dem Landsitz Chequers. Später wollten sie eine Pressekonferenz geben.

"Sun" gehört Trump-Freund Robert Murdoch

Die "Sun" hatte das kontroverse Interview am Donnerstagabend veröffentlicht. Nach Angaben der Boulevardzeitung fand das Gespräch bereits am Mittwoch vor dem Nato-Gipfel in der US-Botschaft in Brüssel statt. Die Zeitung aus dem Medienimperium von Robert Murdoch, dem großer Einfluss auf Trumps Politik nachgesagt wird, veröffentlichte Ausschnitte des Gesprächs aber erst, nachdem May Trump im Blenheim Palace nahe Oxford zu einem festlichen Gala-Dinner empfangen hatte.

Der Zeitpunkt war wohl kaum zufällig gewählt: Bei dem Dinner sollte es darum gehen, Trump von einem baldigen Start der Verhandlungen über ein Handelsabkommen mit London für die Zeit nach dem EU-Austritt zu überzeugen. Mit der Aussicht auf Deals wie diesen hatte die britische Regierung Brexit-Gegner zu besänftigen versucht. In ihrer Begrüßungsrede äußerte sich May noch enthusiastisch über die "beispiellosen Möglichkeiten" eines solchen Abkommens.

Dass Trump ihr im Interview nun derart in die Parade fährt, schwächt die politisch ohnehin schwer angeschlagene Premierministerin zusätzlich. Erst am Montag waren Brexit-Minister David Davis und Außenminister Boris Johnson im Streit über die Strategie in den Verhandlungen mit Brüssel zurückgetreten. Mays Brexit-Pläne sehen unter anderem eine Freihandelszone und ein Zollabkommen mit der EU vor. Sie ist dringend darauf angewiesen, den Trump-Besuch als Erfolg zu verkaufen. Doch das dürfte nun schwierig werden.

Boris Johnson wäre ein "großartiger Premierminister"

Statt May den Rücken zu stärken, lobte Trump erneut ihren Widersacher Johnson, dessen Rücktritt er mit "großem Bedauern" zur Kenntnis genommen habe. Er wolle die beiden nicht gegeneinander ausspielen, betonte er zwar – doch dann folgte eine Aussage, die als volle Breitseite gegen May interpretiert werden kann. "Ich sage nur, ich denke, er wäre ein großartiger Premierminister."

Trump sagte, eine zu enge Bindung an die Europäische Union nach dem Brexit würde dazu führen, dass die USA bei einem Handelsabkommen mit Großbritannien doch wieder mit der EU verhandeln müssten. "Also wird es das Abkommen wahrscheinlich töten", fügte er mit Blick auf einen möglichen Deal Großbritanniens mit den USA hinzu. "Wir haben genug Schwierigkeiten mit der Europäischen Union, wir gehen gerade jetzt gegen die Europäische Union vor, weil sie beim Handel nicht fair mit den Vereinigten Staaten umgegangen sind."

Mays Brexit-Strategie kommentierte Trump mit den unverblümten Worten: "Ich hätte das sehr anders gemacht. Ich habe Theresa May tatsächlich gesagt, wie man das macht, aber sie hat nicht auf mich gehört." Stattdessen scheine May das Gegenteil getan zu haben. "Das ist in Ordnung, sie sollte verhandeln, wie sie es am besten kann." Bei der von May angestrebten Vereinbarung handele es sich aber nicht mehr um das, wofür die Briten im Referendum gestimmt hätten.

Sprecherin des Weißen Hauses spielt Äußerungen herunter

Trumps Sprecherin Sarah Sanders veröffentlichte noch am Donnerstagabend eine kurze Stellungnahme, in der sie die Äußerungen herunterspielte. "Der Präsident mag und respektiert Premierministerin May sehr", hieß es darin. Trump sei dankbar für den "wunderbaren" Empfang, den er in Großbritannien bekommen habe.

Auch ein Staatssekretär im britischen Außenministerium spielte den Affront am Freitag herunter. Trumps Bemerkungen seien nicht unhöflich gewesen, sagte Alan Duncan dem BBC-Radio. Der US-Präsident sei eben "sehr unkonventionell", die Atmosphäre bei dem Dinner am Donnerstag aber "ganz besonders" gewesen.

Trump griff in dem Interview auch Londons populären Bürgermeister Sadiq Khan erneut scharf an. Khan ist ein ausgesprochener Kritiker des US-Präsidenten und hatte sich gegen dessen Staatsbesuch ausgesprochen. "Ich denke, dass er einen sehr schlechten Job beim Terrorismus gemacht hat, einen sehr schlechten Job bei der Kriminalität", sagte Trump.

Khan verteidigte am Freitag die Genehmigung eines satirischen Protest gegen Trump. Aktivisten ließen am Morgen einen etwa sechs Meter hohen Ballon in Form eines Trump-Babys in Windeln über dem Parliament Square aufsteigen. Kritiker hatten den Ballon als beleidigend gegenüber Trump empfunden und gefordert, die Aktion zu unterbinden.

"Ehrlich gesagt ist die Idee, das wir das Recht auf Meinungsfreiheit einschränken, weil sich ein ausländischer Politiker auf den Schlips getreten fühlen könnte, ein Gang am Abgrund", sagte Khan dem BBC-Radio.

Trump relativiert Brexit-Kritik

Am Nachmittag relativierte Trump seine harsche Kritik an der Brexit-Strategie der britischen Premierministerin Theresa May. "Was auch immer Sie machen, ist für mich in Ordnung", sagte er am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit May im Landsitz Chequers bei London. "Stellen Sie nur sicher, dass wir zusammen Handel betreiben können." Nach seinen Gesprächen mit May gehe er davon aus, dass ein US-Handelsabkommen mit Großbritannien "absolut möglich sein wird". Trump bestritt auf Nachfrage auch, dass er May angegriffen habe. "Ich habe die Premierministerin nicht kritisiert. Ich habe viel Respekt für die Premierministerin."

Trump hatte May und ihre Brexit-Strategie zuvor in einem Interview der Boulevardzeitung "Sun" angegriffen. In dem am Donnerstagabend veröffentlichten Gespräch drohte er der angeschlagenen Premierministerin mit dem Scheitern eines möglichen Handelsabkommens, sollte Großbritannien nach dem Brexit zu enge Anbindungen an die EU behalten. Außerdem lobte er ihren Rivalen Boris Johnson. Das Interview mit der "Sun" bezeichnete Trump inzwischen als "Fake News". 


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