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12.07.2018, 16:33 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR ZUM BGH-URTEIL

Den digitalen Nachlass schon vor dem Tod regeln

Kommentar von Louisa Riepe

Handgeschrieben muss sie sein, die Vollmacht für den digitalen Nachlass – und kann etwa auf einen USB-Stick mit einem Passwortmanager verweisen. Foto: Robert Günther/dpaHandgeschrieben muss sie sein, die Vollmacht für den digitalen Nachlass – und kann etwa auf einen USB-Stick mit einem Passwortmanager verweisen. Foto: Robert Günther/dpa

Osnabrück. Erben müssen Zugriff auf digitale Inhalte von Verstorbenen bekommen – dieses Urteil des Bundesverfassungsgerichts sollte ein Weckruf sein für alle, die im Internet aktiv sind. Ein Kommentar.

Insbesondere in den sozialen Netzwerken, aber auch bei Emailprovidern oder in digitalen Speichern hinterlassen Nutzer im Laufe ihres Lebens riesige Datenmengen.

Da lagern tausende Fotos, Chatverläufe und Abrechnungen, und kaum jemand macht sich Gedanken darüber, was nach dem eigenen Tod damit geschieht. Sollen die Inhalte gelöscht werden? Soll eine bestimmte Vertrauensperson die Verwaltung übernehmen? Oder bekommt möglicherweise eine Erbengemeinschaft den Zugriff? Das lässt sich in einem Testament regeln, genau wie die Aufteilung von Schmuck, Immobilien oder Geld.

Pikantes sicher verwahren

Davon sollten Nutzer dringend Gebrauch machen. Immerhin könnten sich im digitalen Nachlass pikante Geheimnisse und schmerzhafte Informationen verstecken. Fotos vom Urlaub mit der Geliebten, Chatverläufe über die bucklige Verwandtschaft und Rechnungen von zweifelhaften Internetshops bleiben für die Nachwelt, nur scheinbar sicher verwahrt hinter Passwörtern.

Bisher haben viele Anbieter Daten ihrer verstorbenen Nutzer zurückgehalten. Jetzt kann nur noch sorglos abtreten, wer sein digitales Erbe geregelt hat.


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