Diesel-Fahrverbote Städtetag fordert Pflicht-Nachrüstung älterer Diesel – auf Kosten der Hersteller

Von Melanie Heike Schmidt


Osnabrück. In der Debatte um geplante Diesel-Fahrverbote in Stuttgart fordert der Deutsche Städtetag eine Pflicht zur Nachrüstung älterer Dieselautos – auf Kosten der Autohersteller. Im Gespräch mit unserer Redaktion warnte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy auch vor einem „Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen“.

Mit Blick auf die ab 2019 in Stuttgart geplanten Diesel-Fahrverbote fordert der Deutsche Städtetag Pflicht-Nachrüstungen betroffener Fahrzeuge sowie die Einführung der Blauen Plakette. „Wir brauchen endlich verpflichtende Hardware-Nachrüstungen für ältere Dieselautos. Nur so sind weitere flächendeckende Fahrverbote in deutschen Städten zu vermeiden“, sagte Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Entscheidung der Baden-Württembergischen Landesregierung für ein Fahrverbot für Dieselautos der Euro-Norm 4 und älter zum Jahreswechsel zeige, wie „unverzichtbar“ Nachrüstungen seien, um Grenzwerte einzuhalten, betonte Dedy.

Dedy: Diesel-Käufer „dürfen jetzt nicht die Dummen sein“

Der Hauptgeschäftsführer des Städtetags verwies zudem auf das Verursacherprinzip, das auch in diesem Fall greifen müsse: „Die Bundesregierung muss die Automobilindustrie zu Hardware-Nachrüstungen verpflichten, damit die Stickoxide in den Städten deutlich sinken. Und bezahlen müssen diese Nachrüstungen die Autohersteller, denn sie sind die Verursacher“, so Dedy. Drei Viertel aller Stickoxid-Emissionen im Stadtverkehr würden von Diesel-Pkw verursacht. „Die Menschen, die in gutem Glauben Dieselfahrzeuge gekauft haben, dürfen jetzt nicht die Dummen sein“, forderte Dedy.

Städtetag warnt vor Flickenteppich von Regelungen

Auch die Kontrollen müssten der neuen Sachlage angepasst werden, erklärte der Hauptgeschäftsführer: „Wenn Fahrverbote demnächst für ältere Dieselfahrzeuge gelten, müssen wir die Autos unterscheiden können. Alle, die die Abgaswerte einhalten oder eine Ausnahmegenehmigung bekommen, müssen weiter in den Städten fahren können“, sagte Dedy und forderte eine „bundeseinheitliche Lösung“, um einen „Flickenteppich unterschiedlicher Lösungen“ zu vermeiden. „Und die Lösung dafür heißt: Blaue Plakette“, so Dedy.