Bundeskriminalamt Jeden zweiten Tag ein Anschlag auf Asylbewerberheim

Von Marion Trimborn

In Deutschland gibt es immer noch fast jeden zweiten Tag einen Angriff auf ein Asylbewerberheim. Foto: Ina WemhönerIn Deutschland gibt es immer noch fast jeden zweiten Tag einen Angriff auf ein Asylbewerberheim. Foto: Ina Wemhöner

Osnabrück. Auch wenn die Zahlen zurückgegangen sind: Im ersten Halbjahr wurde in Deutschland immer noch fast jeden zweiten Tag ein Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft verübt. Meist sind es rechtsradikale Täter.

Das zeigen Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA), die unserer Redaktion vorliegen. Demnach zählten die Behörden im ersten Halbjahr dieses Jahr 74 solcher Anschläge. Rein statistisch ist das ein Angriff etwa alle 2,5 Tage. Dabei handelt es sich um vorläufige Zahlen, in der Regel gibt es noch eine Reihe von Nachmeldungen. Im ersten Quartal kam das BKA auf 42 Anschläge, im zweiten auf bislang 32.

Lage entspannt sich

Der Trend zeigt dennoch schon seit längerem deutlich nach unten, die Lage hat sich entspannt. Während im ersten Halbjahr 2016 noch mehr als 700 Anschläge bundesweit gezählt wurden, waren es im ersten Halbjahr 2017 nur noch fast 170 Anschläge und inzwischen 74. Ein Hauptgrund dafür dürfte sein, dass inzwischen weit weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Viele Notunterkünfte konnten deshalb geschlossen werden.

Meistens rechtsradikale Täter

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres ermittelten die Behörden bei fast allen (72) Anschlägen einen rechtsradikalen Hintergrund. In den meisten Fällen handelte es sich um Sachbeschädigung, Schmierereien und Propaganda, es gab aber auch einige Überfälle und Gewaltdelikte.

Auch wenn Asylbewerberheime seltener zum Ziel solcher rechtsradikaler Anschläge werden, so gibt es nach wie vor viele fremdenfeindliche Übergriffe außerhalb solcher Unterkünfte. Nach bereits veröffentlichten Zahlen verzeichnete die Statistik im ersten Quartal (Januar bis März) immer noch knapp 300 Angriffe auf Asylbewerber und Flüchtlinge außerhalb ihrer Unterkünfte – etwa genau so viele wie im Vorquartal. Darunter waren 64 direkte Attacken auf Personen, zum Beispiel mit Waffen. Bei den Übergriffen wurden 47 Menschen verletzt, darunter ein Kind. Experten warnen daher vor der Gefahr von Alltagsrassismus und rechter Gewalt.