Zehntausende Geldwäschemeldungen auf Halde Oberster „Mafia-Jäger“ beim Zoll geht nach nur einem Jahr

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Noch immer stapeln sich Zehntausende unbearbeitete Verdachtsmeldungen bei der Geldwäsche-Spezialeinheit des Zolls. Im August bekommen die Geldwäsche-Bekämpfer einen neuen Chef. Symbolfoto: dpaNoch immer stapeln sich Zehntausende unbearbeitete Verdachtsmeldungen bei der Geldwäsche-Spezialeinheit des Zolls. Im August bekommen die Geldwäsche-Bekämpfer einen neuen Chef. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Nach nur einem Jahr verlässt der Chef die neu organisierte Zentralstelle zur Geldwäschebekämpfung beim Zoll wieder. Noch immer stapeln sich Zehntausende unbearbeitete Verdachtsmeldungen bei der Behörde.

Kurz nachdem Andreas Bardong sein Amt als Chef der neu organisierten Geldwäsche-Zentralstelle „Financial Intelligence Unit“ (FIU) im Juli 2017 antrat, wurde er in der Bild-Zeitung als Schäubles oberster „Mafia-Jäger“ präsentiert. Jetzt verlässt Bardong nach nur einem Jahr die FIU wieder, wie ein Sprecher der Generalzolldirektion auf Anfrage bestätigte.

Die neue Spezialeinheit, die vom damaligen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vom Bundeskriminalamt zur Generalzolldirektion verschoben wurde, hat die Aufgabe, Geldwäschehinweisen nachzugehen. Diese bekommt sie von Finanzinstituten, Autohändlern, Kunsthäusern und Maklern, wenn der Verdacht besteht, dass das Geld für ein Geschäft beispielsweise mit Drogen oder erzwungener Prostitution verdient wurde.

Fehlendes Personal und Softwarefehler

Durch fehlendes Personal und Softwarefehler hatte sich allerdings innerhalb von sechs Monaten ein Berg von über 30.000 unbearbeiteten Geldwäscheverdachtsmeldungen aufgetürmt, wie es vom Bundesfinanzministerium heißt. „Im Laufe des Juli werden die Altfälle komplett abgearbeitet sein“, sagt ein Ministeriumssprecher. Im August sollen die Geldwäsche-Bekämpfer vom Zoll einen neuen Chef bekommen. Dieser ist Zoll und BMF schon bekannt, auf Anfrage wurde der Nachfolger aber noch nicht genannt.

Neue, effektivere Organisation

Zudem soll die Spezialeinheit organisatorisch neu ausgerichtet werden und durch mehr Mitarbeiter effektiver arbeiten. Der Zoll hat einen Personalbedarf von 475 Mitarbeitern für die FIU errechnet. Im Mai 2018 arbeiteten bei der Spezialeinheit nur etwa 100 Beschäftigte, darunter rund 60 Zöllner.

Risiko durch „mangelhafte“ Arbeit

Die FIU steht seit Beginn massiv in der Kritik. Zuletzt hatte das Thüringer Landeskriminalamt (LKA) in einer Stellungnahme für den Bundestag die Arbeit der FIU in ungewöhnlicher Schärfe als „mangelhaft“ bezeichnet. Insgesamt sei aus dem bei der FIU entstandenen Rückstau in der Bearbeitung von Verdachtsanzeigen „ein erhebliches Risiko für die innere Sicherheit“ erwachsen, befand das LKA.


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