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29.06.2018, 17:26 Uhr KOMMENTAR

Steinmeier in Weißrussland: Gut und wichtig

Kommentar von Stefanie Witte

Steinmeier und Lukaschenko. Foto: dpaSteinmeier und Lukaschenko. Foto: dpa

Osnabrück. Auschwitz, Treblinka, Maly Trostenez. Von der letztgenannten Vernichtungsstätte haben die wenigsten schon einmal gehört, obwohl hier laut jüngsten Forschungen 40000 bis 60 000 Menschen von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Nun erinnert ein Denkmal daran. Das ist gut und wichtig.

Dennoch: Sollte ein deutscher Bundespräsident dazu das autoritär geführte Weißrussland besuchen? Die Aufmerksamkeit kommt schließlich auch Alexander Lukaschenko zugute – einem Präsidenten, der im Land zwischen Polen und Russland Grundrechte ignoriert und die Todesstrafe vollstrecken lässt.

Fest steht: Jetzt, da die letzten Zeitzeugen sterben und es zunehmend schwierig wird, Jugendliche mit der Historie vertraut zu machen, braucht es eine Erinnerungskultur, die wie in Weißrussland von Historikern und Bürgern angeschoben und von höchster politischer Ebene unterstützt wird. Insofern ist der Besuch der Bundespräsidenten aus Deutschland und Österreich ein wichtiger Schritt hin zu einer lebendigen Erinnerung.

An einem Schauplatz grausamster Verbrechen den Gastgeber zu kritisieren ist allerdings schwierig bis unmöglich – so gerechtfertigt das auch gewesen wäre. Umso wichtiger ist es, bei nächster Gelegenheit klar und deutlich auf die Defizite des Landes hinzuweisen.


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