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27.06.2018, 17:24 Uhr KOMMENTAR

Allgemeine Dienstpflicht, ja bitte

Kommentar von Thomas Ludwig

Die Jugend taucht ab in die digitale Gerätewelt und verdaddelt so die Neugier auf das analoge Leben. Eine allgemeine Dienstpflicht könnte sie mit ein mehr Realität konfrontieren. Foto: Tobias Hase/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweitDie Jugend taucht ab in die digitale Gerätewelt und verdaddelt so die Neugier auf das analoge Leben. Eine allgemeine Dienstpflicht könnte sie mit ein mehr Realität konfrontieren. Foto: Tobias Hase/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Osnabrück. Junge Franzosen sollen künftig einen einmonatigen Pflichtdienst ableisten, mit dem die Regierung den sozialen Zusammenhalt stärken will. Auch in Deutschland gibt es solche Vorstöße. Doch sie verhallen in der Politik bislang ungehört. Zu Unrecht.

Deutschland sollte die Idee der Franzosen aufgreifen, weiterentwickeln und eine allgemeine Dienstpflicht für Frauen und Männer einführen – freilich länger als nur für einen Monat. Der demografische Wandel sowie ein Mangel an Nachwuchskräften in Blaulichtorganisationen und der Pflege erzeugen in der Zukunft Handlungsdruck. Eine einjährige Dienstpflicht schaffte Linderung. Und das wäre nicht der einzige Vorzug.

Vor allem junge Menschen haben in der Wohlstandsgesellschaft ein Anspruchsdenken entwickelt, das nur mehr die unmittelbare Wunscherfüllung kennt. Leistungen des Staates nehmen wir Bürger als selbstverständlich hin. Der Gedanke, dass es in jeder Gesellschaft zu deren Zusammenhalt neben Rechten auch Pflichten geben muss, ist vielen Menschen zunehmend fremd. Unsere Gesellschaft hat Vereinzelung und Bindungslosigkeit auf die Spitze getrieben. Der Wert eines Menschen bemisst sich vor allem an seiner Konsumkraft. Die Jugend taucht ab in die digitale Gerätewelt und verdaddelt so die Neugier auf das analoge Leben. All dem könnte eine Dienstpflicht entgegenwirken, da sie etwas anderes in den Mittelpunkt setzt – den Gemeinsinn nämlich.

Niemand soll zum Militär gehen müssen. Und niemand soll gezwungen sein, alte Menschen zu pflegen. Aber die Pflicht, sich aus verschiedenen Diensten an der Gesellschaft für einen zu entscheiden, macht Sinn. Denn der Dienst an der Gemeinschaft kann nicht nur die Identifikation mit derselben fördern. Er lehrt junge Menschen auch Verantwortungsgefühl sowie Sozialkompetenzen und ermöglicht es ihnen, zur beruflichen Orientierung in ungewohnte Job- und Lebenswelten einzutauchen. So weitet sich der Erfahrungshorizont. Viele Männer, die einst Zivildienst geleistet haben, bezeichnen das im Nachhinein nicht als vergeudete Zeit sondern als Bereicherung.

Es wird Zeit, dass die Politik eine ernsthafte Initiative zur Einführung einer Dienstpflicht auf Bundesebene startet. Nur Mut.


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