Vorbild für Deutschland? Frankreich bereitet neuen Pflichtdienst für Jugendliche vor

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THW-Mitarbeiter im Hochwassereinsatz: Warum einen Hilfsdienst an der Gesellschaft für Heranwachsende nicht verpflichtend machen? Foto: Peter Förster/dpaTHW-Mitarbeiter im Hochwassereinsatz: Warum einen Hilfsdienst an der Gesellschaft für Heranwachsende nicht verpflichtend machen? Foto: Peter Förster/dpa

Osnabrück Junge Franzosen sollen künftig einen einmonatigen Pflichtdienst ableisten, mit dem die Regierung den sozialen Zusammenhalt stärken will. Auch in Deutschland gibt es solche Vorstöße. Doch sie verhallen in der Politik bislang ungehört.

Paris/Osnabrück Junge Franzosen sollen künftig einen einmonatigen Pflichtdienst ableisten, mit dem die Regierung den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken will. Ziel sei es, die Beteiligung der Jugendlichen „am Leben der Nation“ zu fördern, hieß es am Mittwoch in der offiziellen Zusammenfassung einer Kabinettssitzung in Paris. Der „Universelle Nationaldienst“ soll im Alter von etwa 16 Jahren anstehen und nach Angaben von Bildungsminister Jean-Michel Blanquer auch den Kontakt zwischen Franzosen aus unterschiedlichen Regionen und Schichten fördern.

Gesellschaftsschichten überwinden

Während des Pflichtdienstes sollen die Jugendlichen unter anderem für Sicherheits- und Verteidigungsthemen sensibilisiert werden, er ist aber nicht als Militärdienst gedacht. Für Freiwillige soll es möglich sein, später zusätzlich einen drei- bis zwölfmonatigen Dienst etwa bei den Streitkräften, der Feuerwehr, im sozialen oder kulturellen Bereich zu absolvieren. Die Regierung will den Pflichtdienst 2019 starten, viele Details müssen aber noch ausgearbeitet werden.

Reservistenverband: Identifikation mit dem Land stärken

Auch in Deutschland gibt es immer wieder Vorstöße für eine allgemeine Dienstpflicht junger Menschen. „Unser Anliegen ist es, einen Dienst für Deutschland zu etablieren. Das heißt, junge Menschen engagieren sich mindestens ein Jahr lang in der Pflege, in den Streitkräften oder verpflichten sich für mehrere Jahre, eine Blaulichtorganisation wie das Deutsche Rote Kreuz oder das Technische Hilfswerk zu unterstützen“, forderte erst kürzlich der Chef des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr, Oswin Veith, im Gespräch mit dieser Redaktion: „Die Einbindung aller jungen Menschen in einen solchen Dienst an der Gesellschaft könnte Zusammenhalt und Widerstandsfähigkeit stärken und die Identifikation mit dem eigenen Land wieder fördern.“

Mit der Forderung stellt sich der Reservistenverband hinter den Generalsekretär der baden-württembergischen CDU, Manuel Hagen. Dieser hatte angekündigt, sich dafür stark machen zu wollen, dass die Einführung der allgemeinen Dienstpflicht in das Grundsatzprogramm der Christdemokraten aufgenommen wird. Bislang kommt die Debatte darüber aber nicht recht in Schwung. Zur Umsetzung ohne eine Änderung des Grundgesetzes verweist der Reservistenverband auf die Einschätzung von Juristen, wonach für eine solche Dienstpflicht die seit Juli 2011 bestehende Aussetzung der Wehrpflicht rückgängig gemacht werden müsste. Im Anschluss sei das nachgeordnete Wehrpflichtgesetz in ein Dienstpflichtgesetz umzuwandeln.

Ursprünglich hatte Staatschef Emmanuel Macron in seinem Wahlprogramm einen einmonatigen Militärdienst für junge Volljährige vorgesehen - dies ist inzwischen aber vom Tisch. Frankreich hatte die Wehrpflicht 1997 ausgesetzt. Derzeit müssen alle jungen Franzosen jedoch einen Aktionstag „Verteidigung und Staatsbürgerschaft“ absolvieren.dpa/thl


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