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27.06.2018, 16:03 Uhr KOMMENTAR

Groko einigt sich beim Baukindergeld: Nutznießer und Verlierer


Der Bund will den Weg zum Eigenheim erleichtern und schickt das Baukindergeld auf den Weg. Doch nicht allen nutzt die neue Förderung. Foto: dpaDer Bund will den Weg zum Eigenheim erleichtern und schickt das Baukindergeld auf den Weg. Doch nicht allen nutzt die neue Förderung. Foto: dpa

Osnabrück. Mitten im handfesten Koalitionskrach einigt sich Schwarz-Rot auf die Details zum Baukindergeld. Doch während Familien auf dem Land profitieren können, haben Familien und Mieter in Ballungsräumen das Nachsehen. Dabei gäbe es effektivere Mittel, den Hauskauf anzuregen.

Die Große Koalition schickt das Baukindergeld auf den Weg – ohne die umstrittene 120-Quadratmeter-Grenze. Richtig so. Ein Blick auf übliche Grundstückspreise und Hausgrößen im ländlichen Raum zeigt, wie realitätsfern das gewesen wäre. Zumal der zweite Sperrriegel – die Begrenzung auf ein Jahreseinkommen von 75000 Euro plus Freibeträge pro Kind – schon dafür sorgt, die Förderung wirklich der Mittelschicht zukommen zu lassen und nicht etwa Top-Verdienern.

In Ballungsräumen sind die Aussichten weniger gut: Dort könnten die Immobilienpreise steigen, weil die Förderung auf die Kaufpreise aufgeschlagen wird. Ist das Baukindergeld ein Erfolg, steigt zudem die Nachfrage nach Wohnraum, was wiederum die Preise treibt. Auch dass alle Steuerzahler für die Subvention aufkommen – auch die, die so wenig verdienen, dass sie nicht an Eigentum denken können – zeigt eine Unwucht.

Für Mieter wird es ebenfalls kniffliger: Wenn immer mehr Mietwohnungen zu Eigentumswohnungen werden, wird das Angebot noch knapper. Zwar fördert der Bund den sozialen Wohnungsbau mit 2,5 Milliarden Euro, doch der Effekt ist begrenzt. Schon jetzt erhalten die Länder Mittel für den Wohnungsbau – gebaut wird dennoch zu wenig.

Fairer und effektiver wäre es, die Hauskauf-Nebenkosten zu senken, zum Beispiel die Grunderwerbssteuer. Leider ist die Ländersache.


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