Ein Bild von Uwe Westdörp
27.06.2018, 15:20 Uhr HILFE FÜR FLÜCHTLINGE

Signal der Humanität aus Niedersachsen

Kommentar von Uwe Westdörp

Flüchtlinge an Bord der „Lifeline“. Foto: AFPFlüchtlinge an Bord der „Lifeline“. Foto: AFP

Osnabrück . Welche Erleichterung: Malta lässt die Flüchtlinge an Bord der „Lifeline“ an Land. Mehrere Staaten wollen einen Teil der Menschen aufnehmen. Auch Niedersachsen bietet Hilfe an. Das ist eine lobenswerte Lösung des Einzelfalls, doch braucht es mehr. Europa muss sich endlich zu grundlegenden Kursänderungen durchringen. Ein Kommentar.

Die „Lifeline“ ist nur ein kleines Schiff, die Rettung der Flüchtlinge an Bord aber von großer symbolischer Bedeutung. Auch Niedersachsen hat jetzt zugesagt, einen Teil der Menschen aufzunehmen. Es ist ein Signal der Humanität in Zeiten einer zunehmend kälter geführten Kontroverse. Doch trotz aller Probleme in der Flüchtlingsfrage – Menschenrechte und die Würde jedes Einzelnen sind die Grundfesten eines zivilisierten Europas. Und sie müssen es auch bleiben.

Der heute beginnende EU-Gipfel könnte weitere Zeichen setzen. Europa benötigt dringend einen neuen Schlüssel zur fairen Verteilung von Flüchtlingen. Es kann nicht sein, dass die Erstaufnahmeländer und wenige andere Staaten wie Deutschland die Lasten beinahe alleine tragen. Doch dürfte es Angela Merkel maximal gelingen, Abmachungen mit einzelnen Staaten zu schließen – wenn überhaupt.

Natürlich bleibt es auch wichtig, die EU-Außengrenzen besser zu kontrollieren, weil Europa nicht alle aufnehmen kann, die kommen wollen. Doch wird es niemals vollständige Kontrolle geben. Dafür sind die Grenzen zu lang, die Flüchtlinge zu verzweifelt und die Schlepper zu skrupellos.

Die EU muss deshalb ihre Hilfe für die Herkunftsländer vervielfachen und Fluchursachen langfristig und nachhaltig bekämpfen. Alles andere ist Herumdoktern an Symptomen.


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