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25.06.2018, 17:55 Uhr DEBATTE UM BURKINIS IM UNTERRICHT

Dadurch geht das Abendland nicht unter

Kommentar von Uwe Westdörp

Burkini-Trägerin in einem Freibad in Berlin mit ihren Kindern. In einem Schwimmbad in Berlin.Burkini-Trägerin in einem Freibad in Berlin mit ihren Kindern. In einem Schwimmbad in Berlin.

Osnabrück. Was ist wichtig, was eher unwichtig? Im Streit um Burkinis im Schwimmunterricht der Schulen gehen die Kritiker aufs Ganze. Doch hilft Prinzipienreiterei nicht weiter. Sie kann sogar schaden. Ein Kommentar.

Worum geht es eigentlich? Um die Integration junger Menschen? Oder um Prinzipienreiterei? Die Debatte, ob Burkinis im Schwimmunterricht vertretbar sind, ist alles, nur nicht zielführend.

Natürlich geht das Abendland nicht unter, wenn Schulen muslimischen Mädchen das Tragen eines Ganzkörperbadeanzugs erlauben. Vielmehr ist dies eine pragmatische Lösung. Denn die Alternative wäre, dass diese Muslima gar nicht am Unterricht teilnehmen würden und weniger Kontakte zu ihren Altersgenossen hätten. Wem wäre damit gedient? Dem Wohl der Schülerinnen jedenfalls nicht – und dem Bildungsauftrag und der Integration ebenfalls nicht.

Wichtig bleibt freilich auch, fundamentalistischen Elternhäusern und Politikern Grenzen aufzuzeigen. Nichts, auch kein religiöses Gebot, rechtfertigt die Unterdrückung von Frauen. Doch nicht mit Hysterie, nur mit einem kühlen Kopf gibt es sinnvolle Lösungen.

Das gilt im Übrigen auch für die Flüchtlingsdebatte. Zwar muss Europa endlich neue Regeln für Aufnahmen beziehungsweise Abweisungen finden. Doch wird das nicht im Hauruckverfahren gelingen. Auch sollte jeder wissen, dass es in Libyen „KZ-ähnliche“ Flüchtlingslager gibt, so jedenfalls das Auswärtige Amt. Dass dieses Land trotzdem immer wieder als Aufnahmeland genannt wird, ist ein Armutszeugnis für Europa.


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