Muslima im Schwimmunterricht Zentralrat der Muslime kritisiert „Pseudodebatte um Burkinis“

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Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hält die Dikussion um Burkinis für eine Pseudodebatte. Foto: Oliver Berg/dpaDer Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hält die Dikussion um Burkinis für eine Pseudodebatte. Foto: Oliver Berg/dpa

Osnabrück. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hält die hitzige Diskussion um Burkinis für muslimische Mädchen im Schwimmunterricht für eine Pseudodebatte. Die wirklichen Probleme lägen ganz woanders.

Mazyek sagte unserer Redaktion: „Solche Burkini-Pseudodebatten, die nebenbei die Rechten weiter stärken, lenken wieder von den eigentlichen Problemen ab.“ Der Zentralratsvorsitzende nannte die von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) unterstützte Idee, Burkinis an Schulen zuzulassen, einen „vernünftigen und gangbaren Kompromiss“.

Doch immer wenn solch vernünftige Kompromisse gefunden würden, wie Menschen religiöse Gebote und Schulpflicht unter einen Hut bringen könnten, „heulen die Islamkritiker reflexartig wieder auf und wollen der ohnehin durch das Angstthema Islam verunsicherten Gesellschaft weiß machen, hinter alle dem stecke der Extremismus“, sagte Mayzek. „Das ist eine schäbige Debattenkultur und führt nur weiter zur Verunsicherung und Spaltung der Gesellschaft.“

Das eigentliche Problem ist ein anderes

Er habe von den Kritikern noch nie ein Wort über das eigentliche Problem in Deutschland bezüglich Schwimmunterricht gehört und das seien: „Marode und geschlossenen Schwimmhallen, fehlende Bademeister und eine Generation von Schülern, die nicht wie ich bis zur Oberstufe jedes Jahr Schwimmen hatte, sondern weitaus weniger und infolgedessen tatsächlich nicht richtig oder sogar gar nicht schwimmen kann. Das ist der eigentliche Skandal.“

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Familienministerin befürwortet Burkinis

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte zuvor erklärt, sie habe nichts dagegen, wenn Schulen im Schwimmunterricht Burkinis für muslimische Mädchen zulassen. „Das wichtigste ist ja das Wohl der Kinder, und das heißt nun mal, dass alle Schwimmen lernen“, sagte die Ministerin am Sonntag auf einer Veranstaltung der „Zeit“. Es sei deshalb völlig vertretbar, wenn Schulen die Teilnahme am Schwimmunterricht förderten, indem sie die Kleidungsstücke, die bis auf Gesicht, Hände und Füße alle Körperteile bedecken, erlauben und ausgeben. Wichtig sei nur, dass der Bildungsauftrag im Vordergrund stehe und die Sache „nicht hochstilisiert wird zum Untergang des Abendlandes“.

Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass ein Gymnasium in Herne in Nordrhein-Westfalen Leih-Burkinis angeschafft hatte. Das hatte viel Kritik ausgelöst. Ein Burkini ist eine Badebekleidung für muslimische Mädchen und Frauen, die bis auf Gesicht, Hände und Füße den gesamten Körper bedeckt.


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