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24.06.2018, 17:31 Uhr KOMMENTAR

EU und Südamerikaner können Signal für Freihandel setzen

Kommentar von Thomas Ludwig

Argentinien würde gern mehr Rindfleisch nach Europa verkaufen. Die Gespräche mit der EU über mehr Freihandel laufen auf Hochtouren. Foto: Juan Garff/dpaArgentinien würde gern mehr Rindfleisch nach Europa verkaufen. Die Gespräche mit der EU über mehr Freihandel laufen auf Hochtouren. Foto: Juan Garff/dpa

Osnabrück. Angesichts der Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump wächst der Druck auf Europa, den Handel mit anderen Regionen auszuweiten. Ein Abkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten ist überfällig.

Nach bald zwei Jahrzehnten schwieriger und immer wieder ausgesetzter Verhandlungen stehen die Chancen für ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay derzeit gut wie nie.

Im Bewusstsein, der auf Abschottung setzenden Haltung von US-Präsident Donald Trump etwas entgegensetzen zu müssen, haben alle Beteiligten den Ernst der Lage erkannt – und die Notwendigkeit zu kooperieren, um neue Absatzmärkte zu erschließen, wenn der Export in die USA teurer und unberechenbarer wird. Washington hat eine gefährliche Spirale von Strafzöllen in Gang gesetzt. Sie wird zum Risiko für die Weltwirtschaft.

Das setzt nicht nur die Europäer unter Druck, mit anderen Partnern möglichst viele und weitreichende Freihandelsverträge zu schließen und damit ein Zeichen gegen den Trump’schen Protektionismus zu setzen. Vor allem für die deutsche Wirtschaft wird es lebenswichtig sein, ihre Exportstärke mithilfe neuer Märkte abzusichern – zumal Trump erst jüngst die Drohung erneuert hat, Autos aus der EU mit hohen Zöllen zu belegen.

Trotz des Drucks, sich im Handel von den USA zu emanzipieren, gilt für alle neu auszuhandelnden Abkommen aber auch: Arbeitnehmerrechte, Sozial- und Umweltstandards dürfen bei aller Euphorie für den freien Handel nicht auf der Strecke bleiben. Ansonsten stoßen sie bei den Bürgern auf wenig Gegenliebe.


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