Mehr Abiturienten, weniger Hauptschüler Bildungsbericht 2018: Soziale Schere geht weiter auseinander

Von dpa

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Bildungsbericht 2018: Mit 49.300 Schulabgängern verließen 2016 wieder mehr Jugendliche als in den Vorjahren die Schule ohne mindestens einen Hauptschulabschluss. Foto: Sebastian Gollnow/dpaBildungsbericht 2018: Mit 49.300 Schulabgängern verließen 2016 wieder mehr Jugendliche als in den Vorjahren die Schule ohne mindestens einen Hauptschulabschluss. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Berlin. Die präsentierten Ergebnisse sind alarmierend: Die soziale Spaltung in Deutschland vollzieht sich mehr denn je.

Kitas und Schulen in Deutschland sind aus Expertensicht noch nicht gut genug auf den stetig wachsenden Zulauf von Kindern und Jugendlichen eingestellt. Dabei droht die Kluft zwischen jenen mit großen Bildungserfolgen und jenen mit schlechten Chancen für das Arbeitsleben zu wachsen. Das geht aus dem am Freitag in Berlin präsentierten Bildungsbericht 2018 hervor. Der Bericht im Auftrag von Bund und Ländern stammt von einer unabhängigen Forschergruppe.

Deutlicher Zuwachs an Abiturienten

Demnach stieg binnen zehn Jahren der Anteil der Schulabsolventen mit Abitur von 34 auf 43 Prozent im Jahr 2016. Ebenfalls ein deutliches Plus verzeichnete die Anzahl der Hochschulabsolventen, diese stieg prozentual von fünf auf 17 Prozent. Ein gute Nachricht ist: Der Anteil der Hauptschulabsolventen ist rückläufig und sank auf 31 Prozent. Mit 49.300 Schulabgängern verließen 2016 allerdings wieder mehr Jugendliche als in den Vorjahren die Schule ohne mindestens einen Hauptschulabschluss (6 Prozent). "Dabei handelt es sich vornehmlich um einen Anstieg bei ausländischen Jugendlichen", so der Bericht. Fast jeder zehnte Jugendliche verfehlt in Jahrgangsstufe 9 den Mindeststandard beim Lesen. 

Großer Zuwachs in den Kitas

Wegen steigender Geburtenzahlen und der Zuwanderung nach Deutschland kommen immer mehr Kinder und Jugendliche in die Kitas und Schulen. Deshalb kommen die Forscher zu dem Schluss: Es brauche mehr Personal und Plätze. Auch weil Mütter immer häufiger arbeiteten, steige der Bedarf an Betreuung. Der Sprecher der Autorengruppe, der Berliner Bildungsforscher Kai Maaz, sprach sich für einen weiteren Ausbau und Umbau des deutschen Bildungssystems aus. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke), sprach von einem "Weckruf an die Politik". Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) betonte: "Bildung liegt in der Verantwortung der gesamten Gesellschaft."

GEW warnt: Soziale Schere geht weiter auseinander

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert die Politik zu größeren Anstrengungen im Bildungsbereich auf. "Allen Maßnahmen zum Trotz ist es bis heute nicht gelungen, das Kardinalproblem des deutschen Bildungssystems - die enge Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg - zu lösen", erklärte die GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe. "Die soziale Schere geht sogar wieder weiter auseinander", kritisierte sie bei der Vorstellung des nationalen Bildungsberichts durch die Kultusministerkonferenz und das Bundesbildungsministerium.

Tepe forderte dazu auf, Programme für Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Haushalten aufzulegen. "Ungleiches muss ungleich behandelt werden: Kinder aus Elternhäusern an der Elbchaussee brauchen weniger Unterstützung als Schüler, die an Schulen im sozialen Brennpunkt unterrichtet werden."


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