Warnung vor hartem Brexit DIHK:Großbritannien droht Status der Mongolei

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), beklagt, dass zwei Jahre nach dem Brexit-Votum „ noch immer wesentliche Fragen offen“ sind. Foto:dpaEric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), beklagt, dass zwei Jahre nach dem Brexit-Votum „ noch immer wesentliche Fragen offen“ sind. Foto:dpa

Osnabrück. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat beklagt, dass zwei Jahre nach dem Brexit-Votum „ noch immer wesentliche Fragen offen“ sind.

Die Unternehmen müssten sich letztlich auch „auf den schlimmsten Fall“ vorbereiten, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer unserer Redaktion . Komme der harte Brexit, gingen alle Vorteile des gemeinsamen Binnenmarktes verloren. „Das heißt: In Bezug auf den Handel hat Großbritannien dann den gleichen Status wie beispielsweise die Mongolei“, warnte Schweitzer.

Er verwies auf „ gravierende Unsicherheit“ in der Unternehmerschaft. Laut einer DIHK-Umfrage unter 2100 auslandsaktiven Betrieben mit Sitz in Deutschland seien für jedes zweite Unternehmen die konkreten Auswirkungen für das Geschäft mit den Briten unklar. „Für die britische Regierung ist es fünf vor zwölf, belastbare Antworten zu liefern“, mahnte Schweitzer. Die Zeit für Vorschläge, welche künftige Partnerschaft sich Großbritannien vorstellt, sei knapp. So sei ungeklärt, ob Institutionen wie Zollverwaltungen oder neue Zulassungsstellen bereits am 30. März 2019 unter neuen Bedingungen funktionieren.

Nach seinen Worten erwarten die Betriebe im laufenden Jahr schlechtere Bilanzen, nachdem das Vorjahr schon „relativ miserabel“ gewesen sei. Die deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich sind laut DIHK im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 84 Milliarden Euro zurückgegangen, während deutsche Ausfuhren in den Rest der Welt im gleichen Zeitraum um knapp fünf Prozent deutlich gestiegen sind. „Nicht zuletzt deshalb plant jedes zwölfte Unternehmen bereits schon heute eine Verlagerung seiner UK-Investitionen auf andere Märkte – vor allem innerhalb der EU“, erklärte Schweitzer.

Zum Hintergrund: Am 23. Juni 2016 hatten 51,89 Prozent der Briten für den EU-Ausstieg gestimmt. Am 30. März 2019 verlassen die Briten die Europäische Union. Als wahrscheinlich gilt, dass es nach dem Ausstieg eine Übergangsphase geben wird. Diese endet am 31. Dezember 2020. In dieser Zeit ist Großbritannien politisch schon außen vor, wirtschaftlich soll aber vorerst durch die Mitgliedschaft in Zollunion und Binnenmarkt alles beim Alten bleiben. Nach der Übergangsphase wird das Vereinigte Königreich zum Drittstaat. Ob es gelingt, rechtzeitig ein Freihandelsabkommen zwischen der EU-27 und dem Vereinigten Königreich abzuschließen, ist ungewiss. Sollte es zu keiner Einigung auf eine Anschlusslösung kommen, würde der Handel zwischen Großbritannien und der EU lediglich nach den WTO-Regeln erfolgen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN