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19.06.2018, 20:43 Uhr MERKEL EMPFÄNGT MACRON

„Meseberger Erklärung“: Kein Befreiungsschlag

Kommentar von Manuel Glasfort

Küsschen von der Kanzlerin: EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker (links) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron werden von Angela Merkel im Barockschloss Meseberg empfangen. Foto: AFPKüsschen von der Kanzlerin: EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker (links) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron werden von Angela Merkel im Barockschloss Meseberg empfangen. Foto: AFP

Osnabrück. Alle Küsschen-Fotos aus Meseberg können nicht darüber hinwegtäuschen: Angela Merkel und Emmanuel Macron liegen weit auseinander, wenn es um die Megathemen Asyl und Währungsunion geht. Beide Problemfelder haben das Zeug, die EU zu sprengen. Kuhhandel verbietet sich da – eigentlich. Doch genau dazu ist es gekommen.

Die Kanzlerin ist klar in der schwächeren Position. In der Asylfrage setzt die CSU ihr die Pistole auf die Brust. Während Merkel weiter eine europäische Lösung herbeifantasiert, kann sie von ihrem Pariser Konterpart höchstens rhetorische Hilfe erwarten. Macron fährt zu Hause einen härteren Kurs gegen illegale Einwanderung, als ihn sich die CSU vorstellt. Sein Plädoyer für mehr Souveränität und Geschlossenheit in Europa ist ein Seitenhieb auf Merkel, die in der Migrationsfrage isoliert ist.

Ansonsten machte er ein paar wolkige Zusagen in Sachen Asyl, sie dafür beim Thema Währungsunion. Die Eurozone soll also doch ein eigenes Budget bekommen. Realisierungschance – ungewiss. Merkel muss mit Widerstand im Bundestag rechnen. Und auch kleinere Partnerländer wie die Niederlande haben noch ein Wörtchen mitzureden.

Nein, die „Meseberger Erklärung“ wird nicht als Befreiungsschlag in die Geschichte Europas eingehen. Das wird schon in anderthalb Wochen beim EU-Gipfel klar werden.


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