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19.06.2018, 18:07 Uhr KOMMENTAR

US-Kamikaze beim Handel fordert international Tribut

Kommentar von Thomas Ludwig

Container im Hafen von Hamburg: Risiken im Welthandel treffen auch deutsche Unternehmen, warnen Konjunkturexperten.Foto: Christian Charisius/dpaContainer im Hafen von Hamburg: Risiken im Welthandel treffen auch deutsche Unternehmen, warnen Konjunkturexperten.Foto: Christian Charisius/dpa

Osnabrück. Die USA überziehen China und die EU mit Strafzöllen. Zudem steigt der Ölpreis. Schon senken Wirtschaftsforscher ihre Konjunkturprognosen für Deutschland. Es gibt kein Abonnement auf endloses Wachstum.

Erst jüngst hat der Internationale Währungsfonds angesichts der trump’schen Wirtschaftspolitik vor einem wachsenden Risiko für die Weltwirtschaft gewarnt. Nun ziehen deutsche Institute nach, korrigieren den wirtschaftlichen Ausblick für Deutschland nach unten. Denn es wird immer offenkundiger: Washingtons Protektionismus wird nicht ohne Konsequenzen bleiben; zu eng sind die Volkswirtschaften weltweit miteinander verflochten.

Die Expansion des Welthandels im vergangenen Jahrzehnt geht vor allem auf den Aufbau internationaler Wertschöpfungsketten zurück. US-Präsident Donald Trump droht diese Ketten zu kappen und stellt damit die Wirtschaftsordnung grundsätzlich infrage. Deutschland als Exportnation wird das besonders zu spüren bekommen; zumal auch die Strafzölle auf europäische Autos in den USA längst nicht vom Tisch sind.

Gegenwehr gegen China ist angebracht - aber bitte über die WTO

Auch bei den Chinesen ist das Bekenntnis zu Freihandel rhetorisch. Politische Einflussnahme auf Unternehmen und Gängelung ausländischer Investoren sind im Reich der Mitte an der Tagesordnung. Dagegen vor zu gehen ist statthaft; den Rahmen und das Werkzeug dazu bietet die Welthandelsorganisation WTO.

Wenn US-Präsident Trump nun aber im Alleingang fast die Hälfte aller chinesischen Einfuhren mit Strafen belegen will, verliert er jedes Maß. Seine Methode Abrissbirne schadet langfristig allen, auch den USA. Leider deutet alles darauf, dass es Trump gelingt, der Welt seine „Auge um Auge“-Politik aufzuzwingen.

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