Nach Behauptungen auf Twitter Merkel weist Trumps Angaben zur Kriminalität in Deutschland zurück

Von Christopher Chirvi

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Die Kriminalitätsrate in Deutschland steigt, behauptet US-Präsident Donald Trump. Die polizeiliche Kriminalstatistik sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel widersprechen. Foto: dpaDie Kriminalitätsrate in Deutschland steigt, behauptet US-Präsident Donald Trump. Die polizeiliche Kriminalstatistik sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel widersprechen. Foto: dpa

Washington. Wieder äußert sich der US-Präsident zur Kriminalität in Deutschland – und bedient sich einer Verschwörungstheorie. Merkel reagiert.

Erneut schreibt US-Präsident Donald Trump am Dienstag beim Kurznachrichtendienst Twitter, dass die Kriminalitätsrate in Deutschland um zehn Prozent gestiegen sei, seitdem Migranten in das Land kamen. Auf welchen Zeitraum er sich damit bezieht, äußert er nicht. 

Bereits am Montag hatte Trump die Behauptung getwittert, die Kriminalität hierzulande sei deutlich gestiegen. Aus diesem Grund würden sich die Menschen auch gegen ihre Führung wenden – "weil das Migrationsthema die ohnehin schon schwächelnde Koalition durchschüttelt".

Dabei ist die Behauptung falsch. Nach der polizeilichen Kriminalstatistik sank die Zahl der Straftaten in Deutschland 2017 auf das niedrigste Niveau seit 25 Jahren. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wies die Aussage auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Emmanuel Macron (Dienstag) zurück.

Diagramm: Ergebnisse der Kriminalstatistik 2017. Grafik: dpa

Auch viele Twitter-Nutzer hatten am Montag Artikel und Statistiken unter Donald Trumps Tweet gepostet, die diesen widerlegen. Der US-Präsident jedoch lässt sich auch davon nicht beirren. Am Dienstag schreibt er zusätzlich "officials do not want to report these crimes" – die offiziellen Stellen also würden seiner Meinung nach nur nicht die tatsächlichen Zahlen veröffentlichen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Trump einer Lüge oder einer Verschwörungstheorie bedient. Die "New York Times" hat einen Großteil der Lügen des US-Präsidenten aufgelistet, seitdem er am 20. Januar 2017 seinen Amtseid geleistet hat. 

Verschwörungstheorien sind keine harmlose Spinnerei

Dabei sind Verschwörungstheorien bei weitem keine harmlose Spinnerei, warnt der Kölner Medienwissenschaftler John Seidler. Sie "dürfen nicht als Spinnerei abgetan, sondern müssen als zentrales Problem der modernen Mediengesellschaft ernstgenommen werden." Denn: "Der Anteil der Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, liegt seit einigen Jahren zwischen 20 und 40 Prozent der Bevölkerung." 

Das alles mag man als Tändelei sehen, die sich in der abgeschlossenen und skurrilen Welt der "Bescheidwisser" abspielt, so Seidler. Wenn zwei von fünf Bürgern anfällig für Verschwörungsglauben seien, hieße das, dass sie sich auch von demokratischen Werten entfremden würden: "Verschwörungstheorien etablieren einen Wahrnehmungsstandard, der den Glauben an demokratische Systeme, und zwar mit Referenz auf die Medien, vollends unterläuft", formuliert es der Medienwissenschaftler.

Trumps Verschwörungstheorien übrigens haben auch schon lange vor seinem Amtsantritt begonnen. Über Jahre hinweg hatte er beispielsweise behauptet, sein Vorgänger Barack Obama sei nicht in den USA geboren. Auch nachdem dieser seine Geburtsurkunde vorlegte, hielt Trump noch lange an den Vorwürfen fest – Obamas tatsächlicher Geburtsort liege in Kenia. 2016 schließlich hatte Trump zumindest in der Frage anerkannt, falsch zu liegen: "Präsident Obama wurde in den Vereinigten Staaten geboren, Punkt."


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