Minsterin legt Eckpunkte vor Bund macht Tempo beim Insektenschutz

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat Eckpunkte für ein „Aktionsprogramm Insektenschutz“ vorgelegt. Foto: imago/Metodi PopowBundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat Eckpunkte für ein „Aktionsprogramm Insektenschutz“ vorgelegt. Foto: imago/Metodi Popow

Berlin. Die Bundesregierung stellt als Sofortmaßnahme für den Insektenschutz fünf Millionen Euro bereit. „Das Insektensterben aufzuhalten ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit“, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) unserer Redaktion. Schulze legt am Mittweoch (20. 6. 18 ) dem Bundeskabinett Eckpunkte für ein „Aktionsprogramm Insektenschutz“ vor.

Das Papier liegt unserer Redaktion vor. Darin wird detailliert aufgelistet, welche Maßnahmen nötig sind, um das Insektensterben zu stoppen. Grundsätzlich nötig sei ein restriktiverer Umgang mit Pestiziden, nicht nur mit Glyphosat, sagte die Umweltministerin. „Wir brauchen statt Monokulturen mehr Vielfalt in der Landschaft. Hecken und blütenreiche Wiesen sind überlebenswichtig für Insekten, Vögel und viele andere Tierarten“, hob Schulze hervor. Es sei ihr wichtig, dass das Kabinett diese Eckpunkte schon in den ersten 100 Tagen seit Regierungsantritt beschließe. Das Aktionsprogramm werde nach einer breiten öffentlichen Diskussion 2019 starten.

Unter anderem soll das Konzept dazu beitragen, bestehende Wissenslücken über das Insektensterben zu schließen, betonte die Umweltministerin. Geplant sei ferner ein bundesweit einheitliches Insekten-Monitoring. Die Bundesumweltministerin rief dazu auf, Praxisprojekte zur Förderung von Insekten und ihrer Artenvielfalt einzureichen. Auch Wirtschaftsverbände und Unternehmen, Forschung und Bildung sowie zivilgesellschaftliche Akteure bis hin zur einzelnen Bürgerin und zum einzelnen Bürger sollen angesprochen, informiert und dazu angeregt werden, aktiv zu werden. Für diese Projekte sollen die als Sofortmaßnahme bewilligten 5 Millionen Euro im Jahr eingesetzt werden. Über die nächsten sechs bis acht Jahre könnten insgesamt 30 bis 40 Millionen Euro aus dem Förderprogramm „Biologische Vielfalt“ in den Insektenschutz fließen, heißt es im Bundesumweltministerium.

„Es trifft die Menschen“

Die Ministerin wies darauf hin, dass sowohl die Gesamtmenge der Insekten als auch die Vielfalt der Insektenarten in Deutschland dramatisch zurückgegangen seien. Das Insektensterben in den vergangenen Jahrzehnten drohe die Natur aus dem Gleichgewicht zu bringen. „Mit den Insekten verschwinden nicht nur Vögel, Fledermäuse und andere Tiere. Was den Insekten schadet, schadet letztlich auch uns Menschen“, warnte Schulze . „Wertvolle Leistungen gehen verloren, die Insekten für die Menschen erbringen – von der Bestäubung von Pflanzen über die natürliche Schädlingsbekämpfung, die Gewässerreinigung bis hin zur Erhaltung fruchtbarer Böden.“

Insekten spielten in den Ökosystemen eine wichtige Rolle. Sie seien existenziell wichtig auch als Nahrungsgrundlage für andere Insekten und weitere Tiergruppen, für die biologische Kontrolle von Schadorganismen und für die Gewässerreinigung , heißt es in dem Eckpunktepapier, das dem Kabinett heute vorliegt. Die Bestäubung durch Insekten beispielsweise sei Voraussetzung für die Erhaltung der Wildpflanzen und die Sicherung der Ernteerträge und -qualität vieler Nutzpflanzen. Die Abnahme der Bestäubungsleistungen würde daher neben dem erheblichen Verlust von biologischer Vielfalt auch große ökonomische Risiken mit sich bringen, warnt das Bundesumweltministerium darin. Die in Deutschland vorkommenden über 560 Wildbienenarten hätten zum Beispiel als Bestäuber eine hohe Bedeutung. Sie seien oftmals effektivere Bestäuber als Honigbienen.

Laut Bundesumweltministerium liegen die zentralen Ursachen des Insektenrückgangs im Verlust und der qualitativen Verschlechterung von Insektenlebensräumen, beispielsweise schadeten neben der Anwendung von Pestiziden auch der Eintrag von Nähr- und Schadstoffen in Böden und Gewässer sowie die Lichtverschmutzung dieser Tierart massiv. Aktuelle Forschungsergebnisse begründeten einen akuten Handlungsbedarf, betont das Ministerium. Auch weitere Forschung sei nötig. In der breiten Öffentlichkeit werde der starke Rückgang der Insekten sehr aufmerksam verfolgt und diskutiert. „Es bestehen hohe Erwartungen an die Politik“, heißt es in den Eckpunkten. „Das Aktionsprogramm Insektenschutz zielt auf die zügige Umsetzung konkreter Maßnahmen ab, die eine Trendumkehr erwarten lassen“, betonen die Verfasser.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN