Ein Bild von Maik Nolte
17.06.2018, 15:34 Uhr KOMMENTAR

Namensstreit um Mazedonien: Mehr als eine Posse

Ein Kommentar von Maik Nolte


Gute Stimmung statt dauerndem Streit: Die Außenminister Griechenlands und Mazedoniens, Nikos Kotzias (rechts, sitzend) und Nikola Dimitrov unterzeichnen die Vereinbarung. Auch die Regierungschefs Alexis Tsipras (rechts, stehend) und Zoran Zaev wirken erleichtert. Foto: AFPGute Stimmung statt dauerndem Streit: Die Außenminister Griechenlands und Mazedoniens, Nikos Kotzias (rechts, sitzend) und Nikola Dimitrov unterzeichnen die Vereinbarung. Auch die Regierungschefs Alexis Tsipras (rechts, stehend) und Zoran Zaev wirken erleichtert. Foto: AFP

Osnabrück. Seit 27 Jahren streiten Griechenland und Mazedonien darüber, wie die frühere jugoslawische Teilrepublik heißen darf. Nun ist eine Lösung greifbar nahe. Ein Lehrstück des politischen Wollens.

Ein Problem weniger: Mazedonien darf Mazedonien heißen, wenn auch mit dem Zusatz „Nord“. Damit könnte ein jahrzehntealter und reichlich bizarrer Konflikt ein gütliches Ende finden. Könnte. Konservative und Nationalisten auf beiden Seiten werden mit allen Mitteln Widerstand leisten. In Griechenland diente diese Namensfrage zuletzt gar als Aufhänger für den Versuch, die Regierung von Alexis Tsipras zu stürzen.

Der Streit, der außerhalb der beiden Länder wie eine Posse wirkte, könnte zum Lehrstück werden. Zum Beispiel darüber, wie sich ein Disput verselbstständigt. Der eigentliche Anlass – allzu forsche Formulierungen in der Verfassung der noch jungen mazedonischen Republik – ist längst ausgeräumt, also wird der Streit auf anderer Ebene angefeuert. Zeitweise musste die Benennung des Flughafens von Skopje nach Alexander dem Großen herhalten, schließlich sehen beide Seiten den antiken Herrscher als Teil ihres Nationalerbes.

Ein Lehrstück auch darüber, was passiert, wenn einer der Streithähne am längeren Hebel sitzt: Athen blockiert seit Ausbruch des Streits einen denkbaren EU-Beitritt wie auch eine Nato-Mitgliedschaft des Nachbarn. Warum? Weil es das kann.

Vor allem aber ein Lehrstück darüber, wie ein jahrelang von national-konservativer Seite geschürter Konflikt gelöst werden kann, wenn die beteiligten Regierungen den ernsthaften Willen haben, sich in der Frage zu bewegen – und ein gutes, nachbarschaftliches Miteinander höher bewerten als die Pflege eines chauvinistischen Popanz.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN