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13.06.2018, 17:26 Uhr KOMMENTAR

Pflegermangel: Das Problem ist viel größer

Kommentar von Stefanie Witte

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Osnabrück. Wie sollen pflegebedürftige alte Menschen in Deutschland in 20 bis 30 Jahren leben? Für eine Antwort auf diese Frage ist es höchste Zeit.

Gesundheitsminister Jens Spahn liefert sie aber nicht, wenn er nun eine Erhöhung der Beiträge zur Pflegeversicherung um 0,3 Prozentpunkte verkündet. Die Dimension des Problems ist viel größer. Etwas mehr Geld reicht nicht aus.

Experten schätzen, dass sich die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 auf 3,5 Millionen verdoppeln wird. 2050 soll sie schon bei 4,5 Millionen liegen. Analog dazu wird der Bedarf an qualifiziertem Personal, der schon jetzt nicht gedeckt werden kann, weiter steigen.

Die Ausbildung zum „Einheitspfleger“ wird daran nichts ändern. Eher wechseln noch mehr Fachkräfte aus der Alten- in die Krankenpflege, weil sie dort bessere Arbeitsbedingungen erwarten. Reformen wie die der Ausbildung sind zu zaghaft. Es müsste viel mehr passieren.

Gerade in Zeiten voller Kassen könnten Zukunftsszenarien entwickelt werden – zu ambulanter Betreuung, Vernetzung und Digitalisierung. Jeder sollte ein Interesse an bestmöglicher Versorgung haben. Denn jeder kann am Ende betroffen sein – sei es in jungen Jahren oder als Rentner. Wenn qualifizierte Hilfe dann nicht bezahlbar oder verfügbar ist, sieht es für die Lebensqualität vieler Menschen düster aus.


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