Umweltschutz Kompost ist voller Mikroplastik - jährlich 122 Millionen Plastiktüten

Von Marion Trimborn

Mit dem Biomüll, der zu Kompost wird, landen oft Plastikteilchen auf den Äckern. Foto: imago/imagebrokerMit dem Biomüll, der zu Kompost wird, landen oft Plastikteilchen auf den Äckern. Foto: imago/imagebroker

Osnabrück. Lebensmittelabfälle werden zu Kompost für Äcker und Gärten. Doch mit dem Biomüll aus Haushalten und Gewerbe kommen winzige Kunststoffteilchen in die Umwelt - und zwar große Mengen. Nach Berechnungen der Grünen entspricht die jährliche Menge rund 122 Millionen Plastiktüten. Die Partei fordert, dass Supermärkte verpflichtet werden müssen, abgelaufende Lebensmittel vor dem Wegwerfen aus den Verpackungen zu nehmen.

Mit dem Kompost dürfen in Deutschland nach Berechnungen der Grünen jedes Jahr 2449 Tonnen Kunststoffe und 9796 Tonnen Hartplastik in Äcker und Gärten gelangen. Das entspricht einer Menge von rund 122 Millionen Plastiktüten und 24,5 Millionen Kunststoffgießkannen. Das haben die Grünen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage berechnet, die unserer Redaktion vorliegt.

Grüne sprechen von Skandal

Die Grünen-Abgeordnete Bettina Hoffmann nannte das Ausmaß der Verschmutzung alarmierend und sagte: „Es ist ein Skandal, welch riesige Mengen an Mikroplastik über den Kompost ganz legal auf unseren Böden entsorgt werden darf.“ Die bestehenden Grenzwerte für Fremdstoffe in Kompost seien viel zu lax. „Die Bundesregierung darf sich nicht länger hinter Prüfaufträgen und laufenden Untersuchungen verstecken, sondern muss jetzt handeln und die Grenzwerte verschärfen.“

Die Bundesregierung selbst kündigte in ihrer Antwort an, die Grenzwerte zu überprüfen: „Die Bundesregierung prüft, ob diese Grenzwerte ausreichen oder ob auch hinsichtlich des Inputs von zulässigen Stoffen für die Verarbeitung in Gär- oder Kompostieranlagen zusätzliche Regelungen zu treffen sind.“

Grenzwerte erlauben einige Tonnen

Gesetzlich sind bis zu 0,1 Prozent Plastik im Kompost erlaubt. Bezogen auf die bundesweit 3,9 Millionen Tonnen Kompost aus Bioabfällen sind das rund 2449 Tonnen Kunststoffe, so die Grünen. Bei einem Durchschnittsgewicht von 20 Gramm pro Plastiktüte macht das 122 Millionen Plastiktüten. Zudem sind 9796 Tonnen Hartplastik erlaubt – bei einem Gewicht von 400 Gramm für eine 10-Liter-Gieskanne entspricht dies etwa der Menge von 24,5 Millionen Kunststoff-Gieskannen.

Seit 1985 werden Lebensmittelabfälle und Pflanzenreste in vielen Regionen getrennt gesammelt und zu Kompost verarbeitet, der in Gärten und auf den Feldern der Bauern jede Menge Kunstdünger ersetzt. Die rund tausend Kompostierungsanlagen in Deutschland bringen somit Nährstoffe und Spurenelemente aus der Küche und dem Supermarkt auf die Äcker zurück. Allerdings stecken in diesem Kompost auch jede Menge winziger Plastikteilchen, die in der Umwelt nichts zu suchen haben.

Grund dafür ist, dass in der Biotonne von Haushalten und Gewerbe nicht nur Essens- und Pflanzenreste, sondern auch deren Verpackungen wie Tüten, Beutel und andere Behälter landen. Oft sind sie durch falsche Entsorgung dort gelandet. So werden zum Beispiel abgelaufene Lebensmittel aus den Supermärkten inklusive ihrer Verpackungen geschreddert. Die Grünen-Abgeordnete Hoffmann forderte daher: „Wir brauchen endlich eine Entpackungspflicht ohne Ausnahmen.“ Dünger aus Biogasanlagen, die nur Grünschnitt und Mais verarbeiten, sind dagegen laut Studien sauber.

Schaden durch Plastikteilchen ist noch unklar

Welchen Schaden die Mikroteilchen im Garten anrichten, ist noch nicht genau bekannt. Pflanzen nehmen die Plastikteilchen nicht auf, Tiere aber schon. Schon lange bekannt ist, dass Reste von Tüten, Einwegflaschen und anderen Plastikprodukten die Meere vermüllen und Fische daran verenden.

Die Bundesregierung antwortet auf die Frage, wie giftig Plastikteilchen für Menschen, Tiere und Pflanzen sind: „Aktuell lassen sich dazu keine abschließenden Aussagen treffen.“ Entsprechende Untersuchungsverfahren seien noch in der Entwicklungsphase. Jüngst war in Thailand ein Wal an mehr als 80 Plastiktüten im Magen verendet.