DGB präsentiert Studie Reicht die Rente? Viele haben nur gedämpfte Erwartungen

Von Uwe Westdörp


Osnabrück. Reicht die Rente? Für die Beschäftigten ist das die zentrale Frage. Die große Mehrheit hat nur gedämpfte Erwartungen, wie der neue DGB-Rentenindex zeigt. Auf die Rentenkommission der Bundesregierung, die sich am Mittwoch (6. Juni) konstituiert, kommt eine Menge Arbeit zu.

Nur etwa jeder siebte abhängig Beschäftigte (15 Prozent) erwartet, von der späteren gesetzlichen Rente gut leben zu können. Dagegen gehen 80 Prozent davon aus, dass sie „gar nicht“ oder „gerade so“ zurechtkommen werden. Das hat eine Untersuchung für den „DGB-Index Gute Arbeit“ ergeben, die unserer Redaktion vorliegt. Besonders ausgeprägt ist die Sorge um die Alterssicherung demnach bei Frauen in den mittleren Altersgruppen, bei Beziehern geringer Einkommen, bei Beschäftigten in Teilzeitarbeit und bei Menschen mit unsicheren Beschäftigungsperspektiven.

„Aber auch in den mittleren und höheren Einkommensgruppen machen sich viele Beschäftigte große Sorgen um die Alterssicherung“, hält der DGB fest. Selbst bei einem Monatsbruttoeinkommen von mehr als 4000 Euro sagen noch 26 Prozent der Befragten: „Es wird nicht reichen“. 43 Prozent meinen, die gesetzliche Rente werde „gerade so ausreichen“. 28 Prozent dieser Beschäftigten schätzen: „Es wird ausreichen.“ Drei Prozent gehen davon aus, im Alter „sehr gut“ von der gesetzlichen Rente leben zu können.

Verunsicherung

Für DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach offenbaren die Ergebnisse ein „großes Maß der Verunsicherung“. Mit Blick auf Frauen, Geringverdiener und Teilzeitbeschäftigte kritisierte die Gewerkschafterin im Gespräch mit unserer Redaktion: „Hier scheint die ständige Leistungs-Absenkung der Rentenversicherung seit Anfang des Jahrtausends zulasten des Vertrauens gegangen zu sein.“ Die Politik müsse jetzt dringend die Weichen für mehr Sicherheit stellen und für ein gutes Leistungsniveau auch auf lange Sicht sorgen.

Buntenbach beklagte außerdem, dass Lücken in der gesetzlichen Rente der Umfrage zufolge nicht durch privates Sparen ausgeglichen werden könnten. „Und für betriebliche Altersvorsorge bekommen viele erst gar keine Angebote.“ Besonders fatal sei es, wenn sich mehrere Umstände unglücklich ergänzten: „Je weniger jemand verdient, desto seltener wird betriebliche Altersvorsorge überhaupt angeboten.“ Die Botschaft an die Politik liegt laut Buntenbach auf der Hand: „Dreh- und Angelpunkt in der Rentenpolitik muss eine gestärkte gesetzliche Rente sein.“

Tragfähiger Interessensausgleich nötig

Der Bund der Steuerzahler forderte unterdessen, „einen tragfähigen Interessenausgleich zwischen Rentnern und Beitragszahlern zu finden“. Dies werde keine leichte Aufgabe für die Rentenkommission sein, sagte BdST-Präsident Reiner Holznagel unserer Redaktion. Er fügte hinzu, die demografische Entwicklung hinterlasse nicht nur Spuren in der Rentenkasse, sondern auch in der Pflege- und Krankenversicherung. „Deshalb halte ich es für nötig, auch für diese Versicherungszweige Reform-Empfehlungen ausarbeiten zu lassen – dass die Politik nur die Rentenkasse im Blick hat, greift aufgrund der demografischen Herausforderungen zu kurz.“

Die Rentenkommission der Bundesregierung, die in diesen Tagen ihre Arbeit aufnimmt, soll bis zum Jahr 2020 Weichenstellungen für die Zeit nach 2025 erarbeiten. Noch vor der Sommerpause will Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ein erstes kurzfristiges Rentenprogramm vorlegen. Es soll sicherstellen, dass das Rentenniveau bis 2025 auf dem Stand von 48 Prozent bleibt und der Beitragssatz (aktuell 18,6 Prozent) nicht über 20 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Lohns steigt. Das Rentenniveau setzt die Standardrente (45 Jahre Beitragszahlung auf Basis eines Durchschnittsverdienstes) in Relation zum Entgelt eines Durchschnittsverdieners.