Fremdenfeindlichkeit Immer noch 300 Angriffe auf Asylbewerber im ersten Quartal

Von Marion Trimborn

Die Anschläge auf Asylbewerberheime sinken, aber die Übergriffe auf Flüchtlinge liegen immer noch auf einem hohen Niveau. Foto: Daniel Karmann/dpaDie Anschläge auf Asylbewerberheime sinken, aber die Übergriffe auf Flüchtlinge liegen immer noch auf einem hohen Niveau. Foto: Daniel Karmann/dpa

Osnabrück. Die fremdenfeindlichen Übergriffe in Deutschland verlagern sich zunehmend von Anschlägen auf Asylbewerberheime hin zu alltäglichen Angriffen. Im ersten Quartal gab es knapp 300 solcher Vorfälle - und 47 Menschen wurden verletzt. Die Linke warnt vor einem zunehmenden Alltagsrassismus.

Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion zurück, die unserer Redaktion vorliegt. Demnach verzeichnete die Statistik immer noch knapp 300 Angriffe auf Asylbewerber und Flüchtlinge außerhalb ihrer Unterkünfte. Darunter waren 64 direkte Attacken auf Personen, zum Beispiel mit Waffen. Dabei wurden 47 Menschen verletzt, darunter ein Kind. Diese Zahl der Angriffe ist noch genauso hoch wie im letzten Quartal 2017.

Rückgang der Anschläge

Allerdings gab es im ersten Quartal nur noch 42 Sachbeschädigungen und Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. Das war der niedrigste Wert seit 2014, also vor der Flüchtlingskrise. Alle davon wurden von der Polizei als rechtsextremistisch motiviert eingeordnet. Aufgrund von Nachmeldungen liegt diese Zahl etwas höher als zunächst vom Bundeskriminalamt gemeldet.

Außerdem zählte die Polizei von Januar bis März 25 Delikte gegen Hilfsorganisationen beziehungsweise ehrenamtliche und freiwillige Helfer, die Flüchtlinge unterstützen. 17 der Taten hatten einen rechtsextremen Hintergrund. Es gab im ersten Quartal keine rechtsextremistischen Demonstrationen oder Kundgebungen, die sich konkret gegen Flüchtlingsunterkünfte richteten – zuletzt war das Anfang 2017 der Fall gewesen.

Linke warnt vor Alltagsrassismus

„Diese Angriffe zeigen die alltägliche Gefahr von Alltagsrassismus und rechter Gewalt“, warnte die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke, die die Anfrage gestellt hatte. Als Ursache dafür sieht Jelpke die Hassreden gegen Flüchtlinge: „Die alltägliche Hetze gegen Geflüchtete – jetzt auch von der AfD im Bundestag – hat konkrete Auswirkungen.“ Jelpke sagte, auch die Union und FDP sollten zur Kenntnis nehmen, „dass die einseitig negative Thematisierung von Einwanderung für die betroffenen Menschen gravierende Auswirkungen hat. Es muss endlich Schluss sein mit der Stimmungsmache gegen Geflüchtete.“

Nach dem starken Zuzug von Flüchtlingen von Spätsommer 2015 an waren fremdenfeindliche Anschläge und Überfälle in Deutschland stark gestiegen. 2015 wurden allein auf Einrichtungen für Flüchtlinge mehr als tausend Straftaten gezählt, von Hakenkreuzen an der Wand bis zu Sprengstoffanschlägen.


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