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31.05.2018, 18:17 Uhr KOMMENTAR

Strafzölle: Europa muss den USA die Stirn bieten

Kommentar von Thomas Ludwig

US-Präsident Donald Trump sorgt wieder mal für Erklärungsbedarf bei den europäischen Partnern. Foto: Jim Watson/AFPUS-Präsident Donald Trump sorgt wieder mal für Erklärungsbedarf bei den europäischen Partnern. Foto: Jim Watson/AFP

Osnabrück. Die von Washington verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium sind eine Zumutung für den transatlantischen Handel. Die Europäer sollten im Rahmen der WTO-Regeln dagegen halten - ansonsten werden sie anfällig sein für immer neue Zumutungen von Seiten Donald Trumps.

Mit den von den USA verhängten Strafzöllen droht eine nachhaltige Zäsur in den transatlantischen Beziehungen. Washington setzt die über Jahrzehnte gereifte Partnerschaft einer nie gesehenen Zerreißprobe aus. So gibt es immer weniger Grund, in die USA noch Vertrauen zu setzen - gleichgültig auf welchem Gebiet.

Donald Trumps Motiv ist klar: Im Herbst stehen zur Hälfte seiner Amtszeit Kongresswahlen an. Deshalb lässt der US-Präsident gemachten Versprechen Taten folgen - egal, ob ökonomisch sinnvoll oder nicht. Hauptsache die Wähler haben den Eindruck: Trump tut was. Dazu gehört, „bösen“ Handelspartnern, die die USA angeblich über den Tisch ziehen, die Rote Karte zu zeigen.

Dabei konzentriert sich Trump mit Stahl und vielleicht bald Autos auf Branchen von hohem Symbolwert, weil US-Firmen dort international besonders zu kämpfen haben. Die Stärke der US-Finanzindustrie und von Technologie-Giganten wie Google, Facebook und Apple ignoriert er.

Will die EU nicht als politisches Federgewicht gelten, muss sie Washington nun geeint die Stirn bieten. Parallel müssen Gespräche über den grundsätzlichen Abbau gegenseitiger Barrieren weitergehen. Mit dem geplanten TTIP-Abkommen war man da mal auf gutem Weg; leidige Zollfragen hätten damit vom Tisch sein können. Doch schon damals machte Trump einen Rückzieher - wie kurzsichtig.

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