Weil: Kritiker nehmen „falsche Einordnung“ vor Nordländer weisen Kritik am Reformationstag als Feiertag geschlossen zurück

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Martin Luther als Vater der Reformation: Der 31. Oktober soll als Tag zum Gedenken an sein Wirken und die Folgen in den norddeutschen Ländern zum einheitlichen Feiertag werden – wieder ein kirchlicher Anlass, obwohl die Zahl der Christen sinkt. Der Tag des Kriegsendes war beispielsweise ein anderer Vorschlag. Foto: dpaMartin Luther als Vater der Reformation: Der 31. Oktober soll als Tag zum Gedenken an sein Wirken und die Folgen in den norddeutschen Ländern zum einheitlichen Feiertag werden – wieder ein kirchlicher Anlass, obwohl die Zahl der Christen sinkt. Der Tag des Kriegsendes war beispielsweise ein anderer Vorschlag. Foto: dpa

Osnabrück. Ungeachtet breiter Kritik haben sich die Regierungschefs der norddeutschen Flächenländer in der NOZ geschlossen hinter das Vorhaben gestellt, den Reformationstag übergreifend als dauerhaften Feiertag einzuführen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte unserer Redaktion, „wir haben intensiv mit den jüdischen Gemeinden gesprochen. Es ist auffällig dass anders als in anderen Ländern diese Diskussion in Niedersachsen kontroverser geführt wird – und das geht nicht von der Landesregierung aus“. Der SPD-Politiker betonte, es lasse sich nicht bestreiten, dass Martin Luther schlimme antisemitische Äußerungen abgegeben habe. „Darüber spricht auch die Evangelische Kirche laut und deutlich“, sagte er. „Aber die Reformation als kultur- und keineswegs nur kirchengeschichtliches Ereignis, das gerade Norddeutschland enorm geprägt hat, darauf zu reduzieren, halte ich für eine falsche Einordnung“, betonte Weil. Wenn es nach ihm ginge, werde der Feiertag kommen; entscheiden werde das Parlament, sagte Weil.

„Wir haben ihn beschlossen, er wird kommen“

Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) ließ keinen Zweifel an der Einführung des Reformationstages als dauerhaftem Feiertag ab diesem Jahr. „Wir haben ihn beschlossen, er wird kommen“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitag). Mecklenburgs-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD) sagte der Zeitung: „Wir haben ihn ja schon, was ich ganz witzig finde: Der Westen lernt vom Osten.“ Zwar gebe es im Nordosten weniger Christen als im Westen. „Aber die Reformation hat auch unser Land geprägt und die Kirchen haben an der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung einen großen Anteil gehabt“, erinnerte die Ministerpräsidentin. „Ich finde es gut, dass dieser Tag überall in Norddeutschland gefeiert werden soll.“

An der Wahl des Reformationstages hat sich namentlich in Niedersachsen scharfer Protest der jüdischen Gemeinde entzündet. Auch andere Glaubensgemeinschaften und Verbände hatten für einen anderen, gegebenenfalls weltlichen Feiertag plädiert.


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