FAZ-Recherche Linksextreme besitzen deutlich weniger Waffen als Rechtsextreme

Von Tobias Bosse

Ein junge Mann beim G20-Gipfel plädiert für völlig gewaltloses demonstrieren linker Politik. Foto: dpaEin junge Mann beim G20-Gipfel plädiert für völlig gewaltloses demonstrieren linker Politik. Foto: dpa

Hamburg. Eine Recherche der Frankfurter Allgemeinen Zeitung will aufzeigen, dass Linksextreme nicht so waffenaffin sind wie Rechtsextreme oder sogenannte Reichsbürger.

Die verheerenden Bilder der Ausschreitungen beim G20-Gipfel durch autonome und linksextreme Gruppen in Hamburg sind immer noch sehr präsent – liegen sie auch gerade ein Jahr zurück. Seither ist die Gefahr, die durch Linksextreme auf die Demokratie in Deutschland ausgeht, wieder stärker in den Diskurs gerückt. Doch wie real ist diese Gefahr tatsächlich? Dieser Frage ging eine große Recherche der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) nach.

Dabei wollte die Zeitung unter anderem wissen, wie viele Linksextreme in Deutschland legal einen Waffenschein besitzen. Denn nachdem das Bundesinnenministerium vor kurzem meldete, dass 750 Rechtsextremisten und 1200 sogenannte Reichsbürger legal eine Waffe in Deutschland tragen dürfen, ist diese Frage durchaus legitim. 

Das Ergebnis der FAZ.NET-Recherche legt den Verdacht nahe, dass Linksextreme nicht so viel für Waffen übrig haben wie Rechtsextreme oder Reichsbürger. Tatsächlich besitzen äußerst wenig Linksextreme einen Waffenschein. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das beispielsweise für Hamburg, wo die linksautonome Szene traditionell stark vertreten ist, dass Im Jahr 2012 von 1100 als linksextremistisch eingestuften Personen, nur eine im Besitz einer waffenrechtlichen Erlaubnis war, die nach Auskunft der Senatsverwaltung für Inneres aber  sogar widerrufen wurde.

Auch das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern berichtet, dass von 440 (Zahl von 2016) Linksextremen lediglich "Einzelfälle" über eine waffenrechtliche Erlaubnis verfügen. Selbst in Baden-Würtemberg, wo das linksextremistische Personenpotenzial im Jahr 2017 vom Verfassungsschutz auf 2780 Personen beziffert wurde, verfügen nur „wenige Einzelpersonen der linksextremistischen Szene über eine Waffenbesitzkarte“, wie das Innenministerium meldet. 

In anderen Bundesländern, wie Bremen, Schleswig Holstein, Niedersachsen oder Brandenburg, liegen laut der FAZ.NET-Recherche keinen entsprechenden Zahlen vor beziehungsweise werden dort nicht mal derartige Statistiken geführt.

Passend zu diesen Zahlen erklärte eine Sprecherin des Ministeriums auf FAZ.NET-Anfrage, dass in den vergangenen zehn Jahren keine politisch motivierten Straftaten bekannt geworden seien, bei denen Linksextremisten Schusswaffen verwendet oder mitgeführt hätten.


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