25. Jahrestag des Solingen-Anschlags Maas: Türkische Zuwanderer gehören zu Deutschland

Von dpa

"Wir trauern mit unseren türkischen Mitbürgern": Transparent mit Beileidsbekundung anlässlich des Brandanschlages auf das Haus der türkischen Familie Genc in Solingen. Foto: imago/Tillmann Pressephotos

Solingen. Der Solinger Brandanschlag vor 25 Jahren mit fünf Toten schockierte weltweit. Heute wird den Opfern gedacht.

25 Jahre nach dem fremdenfeindlichen Brandanschlag in Solingen zeigt sich Bundesaußenminister Heiko Maas besorgt darüber, dass Türken in Deutschland noch immer angefeindet werden. „Es ist beschämend, dass auch heute noch viele, die selbst oder deren Eltern und Großeltern aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind, Diskriminierungen im Alltag erfahren", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Türkische Zuwanderer seien in Deutschland nicht nur willkommen, sondern „ein Teil unseres Landes". Heute soll an den Anschlag erinnert werden.

Fünf Opfer

In Solingen zündeten in der Nacht zum 29. Mai 1993 vier rechtsradikale Männer das Haus der Familie Genc an. Fünf Familienmitglieder starben. Der Anschlag in der nordrhein-westfälischen Stadt gilt als eine der folgenschwersten rassistischen Taten in der Geschichte der Bundesrepublik.

Unter Teilnahme des damaligen Bundesaußenminister Klaus Kinkel (hinten links) sowie des türkischen Ministerpräsidenten Erdal Inönü (vorne links) wurden am 4. Juni 1993 die fünf Opfer des Brandanschlages von Solingen in ihrem türkischen Heimatdorf Mercimek beerdigt. Foto: dpa

„Das Andenken an die Toten von Solingen bleibt ein Auftrag für uns alle – nicht zu vergessen, nicht wegzusehen und nicht zu schweigen", sagte Maas den Zeitungen. Seine Parteikollegin, Bundesjustizministerin Katarina Barley, warnte vor Fremdenhass und Rassismus. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstag) sagte sie: „Es ist beschämend, dass auch 25 Jahre danach Menschen in Deutschland immer noch wegen ihrer Herkunft, Religion oder ihrer sexuellen Orientierung bedroht und angegriffen werden." Damit dürften sich die Politik und die gesamte Gesellschaft nicht abfinden.  

Kultur von null Toleranz gefordert

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief dazu auf, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus entschieden zu bekämpfen. Der Tag des Anschlags stehe auch für eine fortdauernde Aufgabe: „Er verdeutlicht die Verpflichtung unseres Gemeinwesens und unserer Institutionen, alle Bürgerinnen und Bürger zu schützen, gleich welcher Herkunft."

Mevlüde Genc und ihr Mann Durmus sitzen auf der Besuchertribüne des Landtages. Heute finden in Düsseldorf und Solingen Gedenkveranstaltungen 25 Jahre nach dem Brandanschlag Solingen statt. Foto: dpa

Ähnlich äußerten sich die Fraktionschefs der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter. Sie appellierten in einer Mitteilung: „25 Jahre nach Solingen braucht es einen neuen Aufschrei für Demokratie und gegen Rassismus." Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), sagte der „Rheinischen Post": „Wir brauchen eine Kultur des Widerspruchs, wenn Menschen diskriminiert und abgewertet werden. Wir brauchen eine Kultur von null Toleranz, wenn Menschen angegriffen werden."  

Türkischer Außenminister dabei

Heute sind zwei zentrale Veranstaltungen geplant. In Düsseldorf werden am Mittag (13 Uhr) Ansprachen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und von Mevlüde Genc (75) erwartet, die bei dem Anschlag zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verlor. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu werden im Landeshaus reden.

In Solingen erwartet die Stadt mehrere Tausend Teilnehmer zur Gedenkfeier am Nachmittag (16.00 Uhr) am zentralen Mahnmal vor einer Schule. Dort werden Außenminister Heiko Maas (SPD), NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) und erneut der türkische Außenminister sprechen. Mevlüde Genc hatte bereits kurz nach dem Anschlag zu friedlichem Miteinander und Versöhnung aufgerufen.