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28.05.2018, 17:04 Uhr KOMMENTAR

Die Gefahr in Italien ist noch lange nicht gebannt

Kommentar von Thomas Ludwig

Sparfuchs Carlo Correlli: Der parteilose Finanzexperte soll als Übergangspremier die Finanzmärkte beruhigen.Foto: A. Pizzoli/AFPSparfuchs Carlo Correlli: Der parteilose Finanzexperte soll als Übergangspremier die Finanzmärkte beruhigen.Foto: A. Pizzoli/AFP

Osnabrück. Der Amtsantritt einer möglichen italienischen Regierung, die auf Konfrontationskurs zur EU geht und deren Regeln zur wirtschaftlichen Stabilität missachtet, könnte nur aufgeschoben sein. Doch an Neuwahlen führt kein Weg vorbei.

Nun soll also Carlo Cottarelli in Italien eine Regierung bilden. Man muss kein Prophet sein, um die Prognose zu wagen: Die Möchtegern-Koalitionäre von rechter Lega und linkspopulistischer 5-Sterne-Bewegung werden dem Wirtschaftsexperten kaum Gefolgschaft schwören. Zu reizvoll ist der Gedanke, von schnellen Neuwahlen zu profitieren. Und wenn die Wähler partout politische Experimente wollen, kann man sie ihnen nicht verwehren. Sie werden aber auch entsprechende Konsequenzen tragen müssen.

Doch wollen die Italiener unter einer finanziellen Harakiri-Regierung von Populisten wirklich die Zahlungsunfähigkeit ihres Landes riskieren? Wollen sie als ehrbare Gründungsmitglieder der EU wirklich deren endgültige Erosion einleiten? Man sollte die Wähler nicht unterschätzen. Die Bürger wissen, dass für sie viel auf dem Spiel steht. Auch die Franzosen sind schließlich zur Besinnung gekommen, als die realistische Gefahr bestand, die rechtsextreme Marien Le Pen könnte Präsidentin werden. Anti-Establishment-Provokateure mögen enttäuschte Wähler kanalisieren. Lösungen für komplexe Probleme haben sie nicht. Allein, in Rom mangelt es an einem europafreundlichen Charismatiker a lá Macron. Die Stimmen, die eine positive Vision von Europa artikulieren, müssen lauter werden.

Wenn Italien scheitert, scheitert es an sich selbst, nicht an Europa. Eine neutrale Übergangsregierung Cottarelli könnte den Wählern das verdeutlichen, Druck aus dem Kessel nehmen - und die Wogen bis zur Neuwahl glätten. Vielleicht kommen die Bürger zur Vernunft. In jedem Fall bleibt Italien bis auf Weiteres ein Ort der politischen Unruhe.

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