Die Farbenlehre der CDU Orange ist das neue Schwarz

Früher war die CDU schwarz. Heute will sie lieber orange sein. Foto: dpaFrüher war die CDU schwarz. Heute will sie lieber orange sein. Foto: dpa

Osnabrück. Früher war die Sache klar. Sagte einer, er wähle schwarz, wusste jeder gleich: Der macht sein Kreuzchen bei der CDU. Doch ist die heute überhaupt noch schwarz?

Wer die Wahlkampf-Auftritte der Bundeskanzlerin verfolgt, gewinnt seit geraumer Zeit eher den Eindruck, Angela Merkel rede inmitten einer osteuropäischen Revolution. Alles um sie herum ist in Orange gehalten: Fähnchen, Pappschilder, Plakate, Luftballons. Offenbar ist den Christdemokraten ihre angestammte Parteifarbe inzwischen zu negativ besetzt. In einer „ Werbelinie zur Bundestagswahl “ schreibt die CDU deshalb Orange als Leitfarbe vor. Die sei „warm und laut zugleich“, bemerken die Strategen. Orange unterstreiche „die emotionale Dimension in der Kommunikation“.

Welche emotionale Dimension unterstreicht dagegen Schwarz? Irgendwie kämen die bunten Wahlversprechen wohl noch unglaubwürdiger daher, trügen sie den traditionellen Trauerflor der konservativen Volkspartei. Weiterer Grund für den ausgefuchsten Farbwechsel: Orange wird von keiner anderen im Bundestag vertretenen Partei eingesetzt. Noch, möchte man hinzufügen.

Farbe der Freibeuter

Denn ausgerechnet die Piratenpartei reklamiert Orange ebenfalls für sich. Gelingt ihr am 22. September auf Bundesebene der Coup, hätte der geneigte Wähler angesichts zweier orangefarbener Parteien künftig die lange nicht für möglich gehaltene Schwierigkeit, identisch angepinselte Positionen von Freibeutern und Christdemokraten auseinanderzuhalten. Hoffen wir, dass über die Form hinaus wenigstens der Inhalt der Standpunkte unterscheidbar bleibt. Andere Parteien, die sich beim Griff ins Farbtöpfchen ebenfalls für Orange entschieden haben, dürfen an dieser Stelle getrost vernachlässigt werden; Ökologisch-Demokratische Partei, Humanistische Partei und Familienpartei machen zwar den Wahlzettel farbenfroh, aber am großen Deutschland-Bild dürfen sie vermutlich auch künftig nicht mitmalen.

Richtig bunt würde es ohnedies erst, wenn selbst nach Farben benannte Parteien plötzlich auf die Idee kämen, an den Grundfesten ihrer Identifikation und Erkennbarkeit zu rütteln. Man stelle sich einmal vor, die Grünen tünchten plötzlich alles blau. Was würde das dann über den Zustand von Natur und Umwelt aussagen, als deren Anwälte sich die Grünen verstehen? Oder, anderes Beispiel, die Grauen Panther wären auf einmal pink. Wie dürfte man sich dann die Lebenswelt und Forderungen unserer Senioren vorstellen? Von Braun will ich hier gar nicht erst anfangen – die Farbe ist wohl auf ewig tabu. Pigment- und Paradigmenwechsel liegen manchmal nahe bei einander. Überhaupt: Sprechen wir angesichts der farbigen Vielfalt bald von Regenbogen-Koalitionen? Obwohl der Regenbogen ja auch schon wieder eine eigene politische Bedeutung hat – als Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung. Da kann man echt rotsehen!


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