Vergifteter Ex-Doppelagent Bundesregierung hat keine eigenen Erkenntnisse über Fall Skripal

Die Bundesregierung hat keine eigenen Erkenntnisse über den Fall Skripal. Foto: AFPDie Bundesregierung hat keine eigenen Erkenntnisse über den Fall Skripal. Foto: AFP

Osnabrück. Der Fall des vergifteten russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal löste eine schwere diplomatische Krise aus. Auch Deutschland wies als Konsequenz russische Diplomaten aus. Dabei hat die Bundesregierung nach wie vor keine eigenen Erkenntnisse über Details des angeblichen Giftanschlags.

Das geht aus einer Antwort des Auswärtigen Amtes auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Sevim Dagdelen hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Darin verweist die Bundesregierung lediglich auf die Informationen, die sie von der britischen Regierung erhalten habe.

Keine weiteren Erkenntnisse

„Weitere Erkenntnisse liegen der Bundesregierung nicht vor“, antwortet das Auswärtige Amt auf Fragen nach dem Auffinden des Doppelagenten Sergej Skripal und seiner Tochter auf einer Parkbank in der Stadt Salisbury und deren Behandlung mit einem Gegenmittel vor Ort. Das gleiche gelte hinsichtlich der konsularischen Betreuungsmöglichkeiten der Skripals durch die russischen Behörden und den Tod der Haustiere der Skripals: „Die britische Regierung hat der Bundesregierung keine Erkenntnisse zum Tod der Haustiere übermittelt“, heißt es in der Antwort.

Bundesregierung verweist auf britische Behörden

Die Bundesregierung verweist auf den engen Kontakt zu den britischen Behörden. „Großbritannien hat dabei detailliert dargelegt, weshalb die Verantwortung Russlands sehr wahrscheinlich ist und es keine plausible alternative Erklärung gibt“, schreibt das Auswärtige Amt. „Dieser Schluss basiert sowohl auf der Analyse der Proben, als auch auf weiteren Erkenntnissen.“

Die britische Regierung habe Deutschland nicht an den Ermittlungen beteiligt. „Die britische Regierung stellte keine Anfrage an die Bundesregierung bezüglich einer Einbeziehung in die technische Zusammenarbeit“, heißt es. Auch andere Staaten seien wohl nicht beteiligt. Die Regierung erklärt erneut, dass sich die russische Regierung „bislang jeder ernst zu nehmenden Aufklärung des Sachverhalts verweigert.“

Dagdelen kritisiert Außenminister

Die stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzende Dagdelen kritisierte die Russland-Politik der Bundesregierung und sagte: „ Die Linie von Außenminister Heiko Maas (SPD) auf der Grundlage von Mutmaßungen ist absolut verantwortungslos.“ Dagdelen fügte hinzu: „Die Ausweisung russischer Diplomaten war voreilig, falsch und nicht faktenbasiert.“ Die Bundesregierung müsse den Bundestag umfassend über die ihr tatsächlich vorliegenden Informationen im Fall Skripal und zum Nervengas Nowitschok unterrichten.

Skripal hat das Krankenhaus verlassen

Der vergiftete ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal wurde am Freitag aus dem Krankenhaus in Salisbury entlassen. Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März in der südenglischen Kleinstadt bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden. Sie wurden Untersuchungen zufolge mit einer geringen Menge des Nervengifts Nowitschok in flüssiger Form vergiftet. London bezichtigt Moskau, hinter der Tat zu stecken. Der Kreml weist das zurück. Das Attentat löste eine schwere diplomatische Krise aus.


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