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17.05.2018, 18:46 Uhr DEBATTE ÜBER PERSONALNOT

Pflege die erste Bewährungsprobe für Minister Spahn

Von Uwe Westdörp


Eine Pflegerin betreut einen älteren Mann während des Frühstücks in einem Seniorenpflegeheim in Kleinburgwedel. Foto: dpaEine Pflegerin betreut einen älteren Mann während des Frühstücks in einem Seniorenpflegeheim in Kleinburgwedel. Foto: dpa

Osnabrück. Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hat mit seinem Vorschlag, mit Geldprämien den Personalnotstand in der Pflege zu mildern, eine intensive Debatte ausgelöst. Das ist gut so, auch wenn sein Vorschlag allenfalls ein Teil der Lösung sein kann. Ein Kommentar.

Das Problem ist altbekannt, aber noch lange nicht gelöst. Mindestens 36000 Stellen sind in der Pflege unbesetzt. Das geht zulasten der Pflegebedürftigen und auf die Knochen der Pflegerinnen und Pfleger, die tagein, tagaus unter hohem Druck ihrer schweren Arbeit nachgehen.

Es ist deshalb gut, wenn der Pflegebeauftragte Andreas Westerfellhaus neuen Schwung in die Personaldebatte bringt. Wie wichtig das ist, zeigen auch die aktuellen Betreuungszahlen, nach denen immer mehr Menschen von der Pflegeversicherung profitieren. Im Umkehrschluss bedeutet dies nicht nur weitere Beitragserhöhungen, sondern auch einen nochmals steigenden Personalbedarf.

Westerfellhaus schlägt nun vor, einige Jahre lang Prämien zu zahlen, um so zusätzliches Personal zu gewinnen. Das kann sicher nicht schaden, ändert aber nichts am grundsätzlichen Problem der schlechten Bezahlung in der Pflege. Nicht nur einige wenige brauchen mehr Geld, sondern alle – und das auch nicht nur einmal, sondern dauerhaft.

Flächentarifverträge wären eine gute Lösung. Doch ist es nicht so einfach, Tarifverträge für allgemeingültig zu erklären, wie Gesundheitsminister Spahn glaubt. Denn die Mehrzahl der Heimträger ist freigemeinnützig wie die kirchlichen Verbände und beharrt auf eigenen Regeln. Spahn steht damit vor der ersten großen Bewährungsprobe als Minister.


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