Neue Datenschutz-Grundverordnung WhatsApp-Nutzung wird für Unternehmen zum Risiko

Von Christopher Chirvi

Vor allem Handwerksbetriebe, Selbstständige und Freiberufler sind von der neuen Verordnung betroffen. Foto: dpaVor allem Handwerksbetriebe, Selbstständige und Freiberufler sind von der neuen Verordnung betroffen. Foto: dpa

Hamburg. Mit dem Inkrafttreten der neuen Datenschutz-Grundverordnung kann die Nutzung des Messengers bald ernste Folgen haben.

Der Messenger WhatsApp könnte für Unternehmen künftig zu einem Risiko werden: Ist die App auf Firmenhandys installiert, könnte das schnell gegen die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verstoßen. Das berichtet unter anderem welt.de.

Vor kurzem warnte bereits Lutz Hasse, Thüringens Landesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, vor den Tücken des Messengers, der zum US-Konzern Facebook gehört. Das Problem ist, dass dieser nach der Installation automatisch auf das Adressbuch des Nutzers zugreift. Die Kontaktdaten werden dann mit den WhatsApp-Servern abgeglichen, um herauszufinden, wer die App ebenfalls nutzt. Diese Kontakte tauchen dann automatisch im Messenger auf, wo mit ihnen Nachrichten und Dateien ausgetauscht werden können. Da allerdings alle Kontakte geprüft werden, landen auch jene bei der Facebook-Tochter, deren Übermittlung niemals zugestimmt wurde.


Mit der Installation von WhatsApp greift der Messenger automatisch auf das Adressbuch des Nutzers zu. Foto: dpa


Laut Hasses Einschätzung würden deswegen ohnehin 99 Prozent der WhatsApp-Anwender illegal handeln. Insbesondere mit dem Diensthandy könnte man so durch die WhatsApp-Nutzung einen Verstoß gegen die neue DSGVO begehen.

Ein weiteres Problem könnte die Verbreitung von Fotos sein, die beispielsweise Handwerker in der Wohnung eines Kunden gemacht haben. Auch auf diese hat WhatsApp Zugriff - ohne, dass der jeweilige Mieter oder Wohnungseigentümer dieser Übertragung zugestimmt hat. Eine Gesetzliche Grundlage für den Datentransfer bestehe nicht. „Da WhatsApp Zugriff auf dieses Bild erhält, handelt es sich hierbei um eine Datenübertragung an WhatsApp, für die der betroffene Kunde jedoch keine Einwilligung erteilt hat. Eine gesetzliche Grundlage für den Datentransfer besteht nicht“, so Markus Peifer, Datenschutzexperte beim Zentralverband des Deutschen Handwerks ZDH gegenüber welt.de.

„Nach jetzigem Datenschutzrecht und auch nach künftigem Datenschutzrecht handelt es sich bei der Weitergabe von personenbezogenen Daten – also zum Beispiel Kundendaten – ohne Rechtsgrundlage oder Einwilligung um einen Datenschutzverstoß“, wird auch Marit Hansen, Landesbeauftragte für Datenschutz des Landes Schleswig-Holstein, bei welt.de zitiert.

Umfrage: Nur ein Viertel der Firmen in Deutschland auf Verordnung vorbereitet

Mit der DSGVO, die am 25. Mai in Kraft treten soll, sollen die Regeln zur Verarbeitung personenbezogener Daten durch private Unternehmen und öffentliche Stellen EU-weit vereinheitlicht werden. Auf der einen Seite soll so der freie Datenverkehr innerhalb des Europäischen Binnenmarktes gewährleistet, auf der anderen der Schutz personenbezogener Daten innerhalb der Europäischen Union sichergestellt werden.

Nach einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom ist insgesamt allerdings nur ein Viertel der Firmen in Deutschland für die Verordnung bereit.