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16.05.2018, 17:32 Uhr NEUES POLIZEIGESETZ

Warum öffentliche Alkoholverbote nicht wirklich helfen

Kommentar von Marion Trimborn

Öffentliche Alkoholverbote sind sinnvoll, aber die Umsetzung ist schwierig. Nachmittags am Rubbenbruchsee in Osnabrück. Foto: Swaantje HehmannÖffentliche Alkoholverbote sind sinnvoll, aber die Umsetzung ist schwierig. Nachmittags am Rubbenbruchsee in Osnabrück. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Seit Jahren fordern Kommunen Alkoholverbote für Brennpunkte - damit die Bürger sich sicher fühlen. Nun könnten sie in Niedersachsen bald die Möglichkeit dazu bekommen. Doch die Umsetzung ist alles andere als einfach. Und noch ein Problem wird dadurch nicht gelöst. Ein Kommentar

Wer Alkohol trinkt, wird locker - und neigt eher zu Gewalt, wie die Kriminalitätsstatistik zeigt. Was also liegt näher, als Alkoholverbote für das Trinken in der Öffentlichkeit zu erlassen. An und für sich eine gute Idee, aber sie braucht klare Regeln. Absolute Trinkverbote auf Straßen und öffentlichen Plätzen sind nicht durchzusetzen. Wer würde sich daran schon halten?

Alkoholverbote sind deshalb nur sinnvoll an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten oder Tagen. An Brennpunkten, dort wo erfahrungsgemäß Gefahr und Gewalt häufig vorkommen. Etwa für Hooligans vor dem Fußball-Stadion, in der Schmuddelecke hinter dem Bahnhof oder im Stadtpark am Treffpunkt der Gewohnheitstrinker. Es hilft, damit Plätze, Parks und Bahnen sicher bleiben. Die Umsetzung wird aber nicht so einfach. Wer soll das Verbot kontrollieren? Die Polizei, die immer mehr Aufgaben hat und zu wenig Personal? Das Ordnungsamt? Regeln zu schaffen, die keiner überwacht, sind sinnlos.

Auch wenn viele Kommunen Verbote fordern, zeigt Baden-Württemberg, dass es in der Praxis oft schwierig ist. In Freiburg verhinderte erst eine Klage das Alkoholverbot, nun scheint davon niemand mehr Gebrauch machen zu wollen.

Und noch etwas: Ein Verbot löst natürlich nicht das Alkohol-Problem. Das wird dann eben nur aus den Vorzeige-Ecken der Stadt vertrieben - die Alkoholkranken bleiben.


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