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16.05.2018, 16:17 Uhr KOMMENTAR

Die Welt wird lernen müssen, mit Kims Bombe zu leben

Kommentar von Thomas Ludwig

Fühlt schon mal für den Chef vor: US-Außenminister Mike Pompeo Anfang Mai bei Kim Jong-un. Foto: AFP/KCNA VIA KNSFühlt schon mal für den Chef vor: US-Außenminister Mike Pompeo Anfang Mai bei Kim Jong-un. Foto: AFP/KCNA VIA KNS

Osnabrück Nordkorea stellt geplantes Treffen zwischen Machthaber Kim Jong-un und US-Präsident Trump infrage. Das macht klar: Niemand sollte übertriebene Erwartungen an den Gipfel hegen. Pjöngjang wird nicht von der Atombombe lassen.

Nordkoreas Diktator Kim Jong-un droht, das Treffen mit US-Präsident Donald Trump platzen zu lassen. Als Begründung das Manöver des südkoreanischen Bruderstaates mit den USA vorzuschieben, ist jedoch unredlich - schließlich ist es Tradition, dass die zwei Länder gemeinsame Wehrübungen veranstalten. Pjöngjang könnte darüber souverän hinwegsehen. Zudem wäre es naiv zu glauben, die USA setzten sich für Annäherung ein, verzichteten aber darauf, militärische Schlagkraft zu zeigen.

Doch auch die USA sollten etwas beherzigen, die Tatsache nämlich, dass Kim eitel ist bis in die Haarspitzen und nur auf Augenhöhe mit der Supermacht verhandeln will. Dass Trumps Sicherheitsberater Nordkorea ausgerechnet jetzt mit Libyen vergleicht, einem Land also, das infolge westlicher Regimewechsel-Politik ins Chaos gestürzt wurde, zeugt von wenig diplomatischem Geschick. Will Washington in Pjöngjang etwas erreichen, sollte es den dortigen Machthabern auch Respekt zollen.

Tatsächlich geht es darum, Nordkorea einzuhegen. Denn den Status als Atommacht im Tausch gegen Wirtschaftshilfe wird Kim nicht einseitig aufgeben; er ist seine Lebensversicherung. Die Welt wird wohl lernen müssen, mit Kims Bombe zu leben. Leider.

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