Streit um Atomprogramm Nordkorea droht direkt mit Absage von USA-Gipfel

Von dpa

Donald Trump und Kim Jong Un: Wird das geplante Treffen zustande kommen? Foto. dpaDonald Trump und Kim Jong Un: Wird das geplante Treffen zustande kommen? Foto. dpa

Pjöngjang. Nordkorea fühlt sich in die Enge getrieben und will das Treffen von Kim Jong Un mit Donald Trump platzen lassen.

Nordkoreas Staatsführung hat es kategorisch abgelehnt, das Atomwaffenarsenal des Landes im Gegenzug für Wirtschaftshilfen aufzugeben. Auch werde das geplante Gipfeltreffen mit Präsident Donald Trump nicht zustandekommen, wenn die USA weiter einseitig darauf bestünden, dass Nordkorea sein Atomprogramm aufgibt. Das sagte der nordkoreanische Vize-Außenminister Kim Kye Gwan am Mittwoch laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Er warf den Vereinigten Staaten demnach vor, sein Land durch politischen Druck in die Enge treiben zu wollen. Das Gipfeltreffen zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Trump ist für den 12. Juni in Singapur geplant.

Am Dienstag waren bereits aus Verärgerung über ein Militärmanöver unweit der Grenze Nordkoreas hochrangig besetzte Versöhnungsgespräche mit Vertretern Südkoreas abgesagt worden. Das Weiße Haus reagierte zurückhaltend auf die Nachricht aus Pjöngjang und sieht keinen Grund für eine Verschiebung oder Absage des Treffens im Juni – zumal sich das Verhältnis zwischen beiden Atommächten und den koreanischen Nachbarstaaten zuletzt deutlich entspannt hatte. Stein des Anstoßes war aus Sicht Pjöngjangs ein jährlich stattfindendes Großmanöver der südkoreanischen und amerikanischen Luftwaffe namens "Max Thunder", an der Kampfjets und üblicherweise auch Langstreckenbomber beteiligt sind. Die zweiwöchige Übung vom 11. bis 25. Mai simuliere einen Angriff auf den Norden und sei eine "bewusste militärische Provokation", kritisierte die von Machthaber Kim als Sprachrohr genutzte Nachrichtenagentur KCNA. Damit würden "die Friedensbemühungen und guten Absichten" des Nordens untergraben.

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums erklärte, die Militärübungen seien lange angekündigt gewesen, es handele sich um regelmäßige Frühlingsmanöver. Diese seien seit Jahrzehnten defensiver Natur und dienten dazu, Südkoreas Verteidigungsfähigkeit zu sichern.

Das Schicksal des Gipfeltreffens

Hintergrund ist die historische Gipfelerklärung der beiden koreanischen Nachbarländer vom 27. April. Im Grenzort Panmunjom hatten Kim und Südkoreas Präsident Moon Jae In eine gemeinsame Erklärung über Frieden und Aussöhnung unterzeichnet. Nordkorea erklärte sich darin auch zum Abbau seines Atomprogramms bereit.

"Es gibt eine Grenze dafür, guten Willen zu zeigen und Möglichkeiten zu eröffnen", hieß es in dem KCNA-Bericht. "Die historische Panmunjom-Erklärung kann nicht allein durch die unilateralen Bemühungen einer Seite umgesetzt werden." Das "Schicksal des Gipfeltreffens zwischen Nordkorea und den USA" stehe auf dem Spiel, dessen müsse sich Washington bewusst sein.

Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea schwelt seit Jahrzehnten und gilt aufgrund der atomaren Bewaffnung des Nordens als einer der gefährlichsten der Welt. Der Korea-Krieg (1950-1953) zwischen dem kommunistischen Norden und der Republik Südkorea mit Millionen Toten zementierte die Spaltung. Einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht. In den vergangenen Wochen wurden die Hoffnungen auf eine Lösung des Konflikts jedoch wieder genährt – nicht zuletzt durch die Ankündigung des ersten direkten Treffens zwischen den politischen Führern Nordkoreas und der USA, das nach bisherigem Stand am 12. Juni in Singapur stattfinden soll.