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14.05.2018, 17:08 Uhr KRISE IN SPANIEN

Katalonien vor unruhigen Zeiten: Der nächste Puigdemont

Kommentar von Marion Trimborn

Mit dem neuen Regionalpräsidenten Quim Torra steuert Katalonien auf neue unruhige Zeiten zu. Foto: Lluis Gene/AFPMit dem neuen Regionalpräsidenten Quim Torra steuert Katalonien auf neue unruhige Zeiten zu. Foto: Lluis Gene/AFP

Osnabrück. Nach einigem Gezerre hat Katalonien einen neuen Regierungschef. Doch der steht nicht für Entspannung. Mit dem erklärten Separatisten Quim Torra steuert die Region auf neue Unruhen zu. Ein Kommentar

Man könnte den Eindruck gewinnen, auf Katalonien kämen nun gute Zeiten zu. Der politische Stillstand nach der schmählichen Flucht des Separatistenführers Carles Puigdemont ist zu Ende. Der Kopf der Bewegung lebt im Exil, Zeit für einen Neuanfang. Das Parlament in Barcelona kann wieder selbst Politik machen und wird die Vormundschaft der verhassten Zentralregierung in Madrid los. Die rebellische Region mit dem Drang nach Unabhängigkeit hat eine neue Chance bekommen, mit konstruktiver Politik wieder nach vorne zu kommen. Wirklich?

Glühender Separatist

Leider sieht es danach nicht aus. Der neue Regionalpräsident Quim Torra ist ein glühender Separatist und geistiger Ziehsohn von Puigdemont. Von diplomatischem Feingefühl ist bei dem Hardliner nichts zu merken. Wer in Kurznachrichten auf Twitter den Spaniern vorwirft, nur plündern zu können, will keine friedliche Lösung. So bedauerlich es auch ist: Torra dürfte die katalanische Politik weiter radikalisieren. Schon jetzt steuert er zielsicher auf neue Proteste zu und spaltet die katalanische Bevölkerung.

Es steht zu befürchten, dass der Unabhängigkeits-Populismus weiter geht. Das Ergebnis kann man sich ausmalen. Vorgänger Puigdemont lebt im Exil und hat der Sache nicht gedient - zumal die Zentralregierung nicht bereit ist einzulenken. Katalonien stehen neue unruhige Zeiten bevor.


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