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14.05.2018, 16:59 Uhr KOMMENTAR

Nahostkonflikt: Vom Frieden weiter weg, denn je

Kommentar von Thomas Ludwig

Stein des Anstoßes: US-Finanzminister Steven Mnuchin enthüllt die Tafel am Botschaftsgebäude in Jerusalem. Foto: M. Kahana/AFPStein des Anstoßes: US-Finanzminister Steven Mnuchin enthüllt die Tafel am Botschaftsgebäude in Jerusalem. Foto: M. Kahana/AFP

Osnabrück. Dutzende Tote, Hunderte Verletzte - die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem fordert ihren Blutzoll. Die USA wussten das - und nehmen es doch in Kauf. Dem Frieden kommt man so nicht näher.

Mit der Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem schreibt US-Präsident Donald Trump zweifellos Geschichte – die Frage ist nur, ob man sich seiner im Nahostkonflikt positiv oder negativ erinnern wird. Bislang scheint Letzteres der Fall. Mit der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels haben die USA Wut und Ohnmacht der Palästinenser befeuert, wohl wissend um die Konsequenzen: Eskalation, Gewalt, Tote.

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Die Anerkennung Jerusalems könnte sich nur als gerechtfertigter Schachzug erweisen, wenn Trump hernach mit einem ausgereiften Friedensplan aufwartet, der die Kontrahenten tatsächlich einer Zwei-Staaten-Lösung näher brächte. Ob Israel aus Dankbarkeit für das diplomatische Geschenk aus Washington aber tatsächlich zu Zugeständnissen gegenüber den Palästinensern bereit sein würde, zum Beispiel in der Siedlungspolitik, ist fraglich. Einst hieß es, der Sturz des Diktators Saddam Hussein im Irak würde im Nahen Osten „positiven Nachhall“ finden – die Geschichte bewies das Gegenteil. Trumps Jerusalem-Entscheidung und der Ausstieg aus dem Atom-Deal mit Iran könnten sich als ebensolche Trugschlüsse erweisen.

Die Lunte am Pulverfass Nahost brennt und ist inzwischen kurz. Dass ausgerechnet die EU sie austreten wird, ist nicht zu erwarten. Schlimmer noch: Niemand ist in Sicht, der das könnte.

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