Ein Bild von Stefanie Witte
14.05.2018, 16:55 Uhr KOMMENTAR

Jugendämter überlastet: Spardiktat unverzeihlich

Von Stefanie Witte


Foto: dpaFoto: dpa

Osnabrück. Immer wieder stehen Jugendämter in der Kritik, wenn sie zu spät oder gar nicht reagieren. Ein Grund dafür besteht laut der Koblenzer Studie darin, dass Mitarbeiter häufig viel zu viele Fälle bearbeiten müssen.

Außerdem gehen zwei Drittel ihrer Arbeitszeit für Bürokratie drauf. Das sollte berücksichtigt werden, wenn wieder eine falsche Entscheidung schlimme Konsequenzen hatte.

Kinder müssen bestmöglich geschützt werden. Deshalb ist es unverzeihlich, bei den Jugendämtern zu sparen – insbesondere, wenn die Steuereinnahmen sprudeln. Genug Geld für ausreichend Personal und eine vernünftige Ausstattung wäre also grundsätzlich da. Es kann nicht sein, dass viele Mitarbeiter nicht einmal ein Diensthandy bekommen und für sensible Gespräche keine Büroräume zur Verfügung stehen. Immerhin stellt es einen massiven Eingriff dar, Kinder aus einer Familie zu nehmen – ebenso wie es massive Konsequenzen nach sich ziehen kann, dagegen zu entscheiden.

Höchste Zeit für Familienministerin Franziska Giffey (SPD), sich den Schutz der Jüngsten auf die Fahnen zu schreiben. Die Lösungen liegen auf der Hand: Fallobergrenzen, eine bessere Ausstattung und eine Finanzierung, die nicht von Verschuldung und Sparzwang der Kommunen abhängt. Da sind die Länder, vielleicht sogar der Bund gefragt.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN