Kritik an Bundesärztekammerchef Patientenschützer: „Fernbehandlung per PC keine Lösung“

Von Stefanie Witte


Osnabrück. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisiert Bundesärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery scharf. „Noch nie waren Ärztefunktionäre weiter weg von den Nöten der alten, pflegebedürftigen und schwerstkranken Menschen“, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch im Gespräch mit unserer Redaktion.

Montgomery hatte Terminservicestellen kritisiert und sich für eine Online-Behandlung ausgesprochen. Brysch sagte zum heutigen Auftakt des Deutschen Ärztetages in Erfurt dazu: „Es finden sich kaum noch Mediziner, die ins Haus kommen. Stattdessen soll es jetzt die Fernbehandlung am Computer richten.“ Für die meisten alten Patienten werde das nicht zu Verbesserungen führen. „Wenn ihnen die Kraft zum Arztbesuch fehlt, drohen sie so noch mehr abgehängt zu werden.“ Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz kritisierte: „Nun wird Front gegen die Verbesserung der Terminservicestellen gemacht. Die Ärztevertreter sollten sich endlich wieder an ihre Ethik erinnern. Der Patient muss im Mittelpunkt stehen und nicht das Geld.“

„Der Ärztetag muss Position beziehen“

Brysch forderte, sich dieser Entwicklung entgegenzustellen. Der Fall zweier Hausärzte aus Hessen sei ein guter Beleg dafür. Die beiden Mediziner sollen einen hohen fünfstelligen Betrag zurückzahlen, weil sie angeblich zu viele Hausbesuche abgerechnet hätten. „Es ist absurd, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen zu viele Hausbesuche mit Honorarkürzungen bestrafen. Dazu muss der Ärztetag Position beziehen“, forderte Brysch.