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04.05.2018, 18:17 Uhr STRAFTAT ODER NICHT?

Warum Schwarzfahren keine Bagatelle ist

Kommentar von Marion Trimborn

Es wäre das falsche Signal, Schwarzfahren zu entkriminalisieren. Foto: dpaEs wäre das falsche Signal, Schwarzfahren zu entkriminalisieren. Foto: dpa

Osnabrück. Sollen Schwarzfahren und Ladendiebstahl entkriminalisiert werden? Nein, denn es wäre das falsche Signal. Dabei gibt es durchaus einfache Lösungen, um gegen Schwarzfahrer vorzugehen. Ein Kommentar

Schwarzfahren ist ein Bagatelldelikt, keine Frage. Aber schon das Wort Bagatelle verniedlicht das Ganze und legt nahe, dass es um eine geringfügige Sache geht, die nicht wirklich eine Straftat ist. Falsch. Wie soll unsere Gesellschaft funktionieren, wenn wir die Grundregeln des Zusammenlebens immer mehr aufweichen? Wenn Schwarzfahren gesellschaftsfähig wird, sind die Fahrgäste, die tatsächlich noch ein Ticket lösen, die Dummen. Wo soll das enden?

Entscheidend ist zudem nicht, dass es oft nur um kleine Beträge geht, sondern dass der Rechtsstaat kapitulieren würde. Der Verdacht liegt nahe, dass Stadtstaaten mit großen U-Bahnnetzen wie Berlin oder Hamburg ihre Probleme mit Schwarzfahrern nicht mehr in den Griff bekommen und einfache Lösungen suchen. Milde gegenüber Schwarzfahrern wäre aber ein Freifahrtschein für ebendiese. Wenn Kontrolleure widerspenstige Schwarzfahrer nicht mehr festhalten dürften, bis die Polizei kommt, kann man die Kontrollen auch gleich sein lassen.

Dabei gibt es praktikable Lösungen. Zugangssperren für U-Bahnen wie in anderen Ländern würden es Schwarzfahrern schwerer machen. Unwillige Bußgeld-Zahler und Wiederholungstäter sollten gemeinnützige Arbeit leisten - statt dass ihnen mit Gefängnis gedroht wird.


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