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04.05.2018, 17:22 Uhr zuletzt aktualisiert vor DER GEIST VON WOLFSBURG

Warum die Anklage gegen Winterkorn so wichtig ist

Kommentar von Uwe Westdörp

Martin Winterkorn, damaliger Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, hier  am 14.03.2013 bei der Jahrespressekonferenz von VW in Wolfsburg. Foto: dpaMartin Winterkorn, damaliger Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, hier am 14.03.2013 bei der Jahrespressekonferenz von VW in Wolfsburg. Foto: dpa

Osnabrück. Die oberste Etage sei in die Manipulation von Dieselmotoren nicht eingeweiht gewesen, hieß es immer bei VW. Zumindest die US-Justiz sieht das anders - und klagt Ex-Konzernchef Martin Winterkorn an. Das ist auch deshalb eine interessante Nachricht, weil Winterkorns Geist immer noch nicht aus der Wolfsburger Zentrale vertrieben zu sein scheint. Ein Kommentar.

Welch tiefer Fall. Lange Jahre war VW-Chef Martin Winterkorn ein weltweit hofierter Konzernlenker. Und heute? Heute kann er sich wegen seiner Verwicklung in den Betrugsskandal kaum mehr aus Deutschland heraus trauen, ohne befürchten zu müssen, in amerikanischer Haft zu landen.

Natürlich gilt auch in diesem Fall die Unschuldsvermutung. Doch zugleich ist die in den USA erhobene Anklage gegen Winterkorn ein Weckruf. Sie verhindert, dass Gras über die Sache wächst. Und sie nährt die Hoffnung, dass nicht nur einfache Manager zur Rechenschaft gezogen werden, sondern auch Verantwortliche aus der Konzernführung.

Dies ist auch ethisch von höchster Bedeutung. Denn wie sollte sonst ein Kulturwandel gelingen, nachdem VW-Lenker millionenfachen Betrug zugelassen haben?

Schmerzlich rufen die Nachrichten aus den USA auch in Erinnerung, dass Verbraucher jenseits des Atlantiks mehr Rechte haben als deutsche. Während Volkswagen für Vergleiche in den Vereinigten Staaten 24 Milliarden Euro verbucht hat, gibt es hierzulande nur spottbillige Softwareupdate für geprellte Kunden. Für Schadenersatz oder Hardware-Nachrüstungen sieht der Konzern weiter keinen Anlass. Winterkorns Geist ist noch immer nicht aus der Wolfsburger Zentrale vertrieben,


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