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04.05.2018, 15:12 Uhr KOMMENTAR

Konservativer US-Patriot muss in Berlin diplomatisches Geschick beweisen

Kommentar von Thomas Ludwig

Neuer US-Botschafter in Deutschland: Richard Grenell, 51. Foto: R. Drew/AP/dpaNeuer US-Botschafter in Deutschland: Richard Grenell, 51. Foto: R. Drew/AP/dpa

Osnabrück. Die Vereidigung des neuen US-Botschafters für Deutschland, Richard Grenell, war überfällig. Denn um das deutsch-amerikanische Verhältnis steht es nicht zum Besten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel gelingt es schwerlich, einen wirklich guten Draht zu US-Präsident Donald Trump zu finden. Umso wichtiger ist es, mit Richard Grenell nun einen Trump-Erklärer und -Versteher in Berlin zu haben.

Einfach wird es mit dem offen schwul lebenden konservativen Patrioten nicht unbedingt. An der Loyalität gegenüber seinem Dienstherren, den Grenell als „Großmeister des Verhandelns“ bewundert, besteht kein Zweifel. Deshalb wird Grenell amerikanische Interessen mit Nachdruck vertreten und auch mit Kritik an Partnern nicht hinter dem Berg halten.

Kritik ist nicht gleich ein Affront

Einen Vorgeschmack bekam das politische Berlin jüngst mit seiner Mahnung, Deutschland hätte sich wie Frankreich und Großbritannien am Militärschlag gegen Syrien infolge einer mutmaßlichen Giftgasattacke beteiligen sollen. Doch nicht jede Kritik ist gleich als Affront aufzufassen – vor allem nicht unter Freunden.

Misstrauen und Missverständnisse

Ein guter Botschafter agiert nahezu geräuschlos als Scharnier zwischen zwei Regierungen. Er platziert politische Botschaften und übermittelt Anliegen des Gastlandes in die Heimat. Das geht weit über das tagesaktuelle Geschäft hinaus und kann helfen, Misstrauen und Missverständnisse gar nicht erst entstehen zu lassen.

Grenell hat über Jahre diplomatische Erfahrung bei den Vereinten Nationen gesammelt; das unterscheidet ihn von vielen anderen US-Diplomaten, die oft Quereinsteiger aus der freien Wirtschaft sind. Grundsätzlich versteht er also das Geschäft. Ob er in Berlin den richtigen Ton finden wird, muss er nun beweisen.

Angesichts zahlreicher politischen Differenzen beispielsweise in Handels- und Rüstungsfragen ist ein funktionierender Dialog zwischen Washington und Berlin unerlässlich.

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