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03.05.2018, 17:56 Uhr TRUMPS AFFÄRE

US-Präsident wird über Porno-Posse nicht straucheln

Kommentar von Thomas Ludwig

Ist auf Donald Trump nicht gut zu sprechen: Die Pornodarstellerin Stormy Daniels hat gegen den US-Präsidenten eine Verleumdungsklage eingereicht. Foto: Mary Altaffer/AP/dpaIst auf Donald Trump nicht gut zu sprechen: Die Pornodarstellerin Stormy Daniels hat gegen den US-Präsidenten eine Verleumdungsklage eingereicht. Foto: Mary Altaffer/AP/dpa

Osnabrück. In Sachen Doppelmoral sind die USA kaum zu toppen. Deshalb wird US-Präsident Trump über die Porno-Posse nicht stolpern.

Wohl jeder Politiker hat im Lauf seiner Karriere gelogen. „Wenn es ernst wird, muss man lügen“, gestand EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker einst. Bei Donald Trump hat die Lüge jedoch einen einmaligen Stellenwert. Denn sie ist längst nicht mehr politischer Fehltritt oder Ausnahme, sondern Teil kalkulierter Strategien.

Trumps euphemistisch als alternative Fakten verkauften Unwahrheiten verschieben bisher sicher geglaubte Referenzrahmen und verwirren politische Gegner wie Öffentlichkeit gleichermaßen. Wenn Rudy Giuliani und sein Mandant aus dem Weißen Haus nun bestätigen, dass der Präsident das via Anwalt an eine Pornodarstellerin gezahlte Schweigegeld aus eigener Tasche finanziert hat, ist die Absicht klar: Es gilt, Trumps Wahlkampfteam aus der Schusslinie zu nehmen und jeden Verdacht einzudämmen, Gelder könnten zweckentfremdet worden sein. Damit entfiele ein wesentlicher Vorwurf gegen den Präsidenten.

Dass Trump wohl einer frivolen Versuchung erlag, ist privat; in den Augen vieler seiner Wähler macht ihn das zum echten Kerl. Schlimm genug: Auch alle seine frauenverachtenden Aussagen haben Trump bisher nicht geschadet. Unwürdig sind im Fall Stormy Daniels die scheibchenweisen Enthüllungen in Taschenspielertrick-Manier.

In Sachen außerehelichem Sex führten Lug und Trug bei US-Präsident Clinton immerhin zum Amtsenthebungsverfahren – freilich ohne Erfolg. In Doppelmoral sind die USA seit jeher schwer zu toppen. Deshalb wird US-Präsident Trump über die Porno-Posse auch sicher nicht stolpern.