Vom Weltgeist zum Klassenkampf Karl Marx: Als die Philosophie praktisch wurde

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Osnabrück. Bei ihm erwacht die Philosophie zur Wirklichkeit: Karl Marx macht aus dem Denken eine Waffe im Kampf um die Macht. Der Weg des Philosophen führt vom Weltgeist zum Klassenkampf. Marx war sicher, damit, das Bewegungsgesetz der Geschichte gefunden zu haben.

Ein Satz wie ein Faustschlag: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern“. Karl Marx löst mit diesem Fanal in der Geschichte der Philosophie ein Beben aus. Der Satz aus den „Thesen über Feuerbach“ holt das Denken aus dem Himmel abstrakter Ideen auf die Erde konkreter Konflikte herunter. Marx macht aus dem Nachdenken die Vorbereitung der Revolution, aus der Philosophie eine Waffe für die Kämpfe um Macht und Herrschaft. „Alles wesentliche Leben ist wesentlich praktisch“, heißt es in den „Thesen“ weiter. Die Philosophie soll zur Wirklichkeit erwachen. Findet Marx. Hier weiterlesen: Mehr als der ewige Revolutionär - 200 Jahre Karl Marx.

Übervater einer Generation

Bei Georg Friedrich Hegel (1770–1831) hört sich das noch ganz anders an. Der Philosoph, der im 19. Jahrhundert zum Übervater einer ganzen Generation junger Denker avanciert, entwirft Geschichte als Fortschritt zur Vernunft. Hegel sieht in der Historie das Wirken eines überwölbenden Geistes. Ein Vorbild für Karl Marx, den Erfinder des Kommunismus? Ja. Als wichtigster Kopf der sogenannten Junghegelianer, einer Gruppe progressiver Theoretiker, ist Marx fasziniert von der Vision einer Geschichte als Prozess, der zu einem idealen Endziel führt. Marx ersetzt Hegels Weltgeist durch die Klassenkämpfe, in denen er den Motor historischer Prozesse erkennt. Hier weiterlesen: Kunst des Kommunismus? Rückblick auf die Kunst der UdSSR.

Wahrheit des Diesseits

Die Philosophie verliert dabei in der Vorstellungswelt von Marx ihren absoluten Stellenwert. Das Denken hat sich auf die „Wahrheit des Diesseits“ zu richten. Marx will sie gerade noch als Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen gelten lassen. Kein Wunder. „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen“, eröffnen Karl Marx und Friedrich Engels ihr „Manifest der Kommunistischen Partei“. Marx sieht in Produktionsverhältnissen die materielle Basis des Lebens. Ideen, Vorstellungen, überhaupt das Bewusstsein wertet er als bloßen Überbau ab. „Nicht das Bewusstsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das Bewusstsein“, formuliert er griffig in „Die deutsche Ideologie“. Hier weiterlesen: Gibt es eine Playmobilfigur? Was uns zum Marx-Jubiläum erwartet.

„Opium des Volks“

Das betrifft vor allem den Stellenwert der Religion. Marx verwirft sie in seiner Schrift „Zur Kritik der Hegel’schen Rechtsphilosophie“ als „Heiligenschein“ des irdischen „Jammerthals“, verspottet sie als bloßes „Opium des Volks“. Alles, was von der Einsicht in Ausbeutung und Entfremdung ablenkt, sie gar bemäntelt, hat abgeräumt zu werden. Marx plädiert für die „positive Aufhebung der Religion“, fordert, dass der „Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei“. Deshalb seien alle „Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes Wesen ist“. Bis dahin ist der Weg allerdings weit. In seinem Buch „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“ analysiert Marx am Beispiel des Aufstiegs von Louis Bonaparte zum Kaiser Napoleon III., wie Klassenkämpfe die politischen Konflikte antreiben und sogar zu einem autoritären Regime führen können. Hier weiterlesen: 200 Jahre Karl Marx - der Ausblick auf das Jubiläumsjahr.

Ideen unterschätzt

Hat Karl Marx mit dieser Analyse seiner eigenen Philosophie das Menetekel geliefert? Seine Lehre vom Klassenkampf lieferte die Blaupause für totalitäre Regime des 20. Jahrhunderts. Marx hat die Philosophie revolutioniert, die Sicht auf den Menschen mit der einseitigen Betonung der materiellen Lebensbedingungen aber auch verengt. Ideen als Treiber der Geschichte – das hat Marx völlig unterschätzt. Seltsam eigentlich, lieferte er doch selbst einen der größten Beweise dafür, wie Gedanken die Welt verändern können. Hier weiterlesen: Das größte Marx-Monument - die Marx-Ausgabe MEGA wächst weiter.


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