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27.04.2018, 21:26 Uhr KOMMENTAR

Merkel-Besuch bei Trump: Schwierige Mission

Von Melanie Heike Schmidt


Wichtige Themen hatte Kanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in Washington auf der Agenda. Ihr Gesprächspartner US-Präsident Donald Trump, wirkte zumindest aufmerksamer als beim letzten Treffen vor gut einem Jahr. Foto dpaWichtige Themen hatte Kanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in Washington auf der Agenda. Ihr Gesprächspartner US-Präsident Donald Trump, wirkte zumindest aufmerksamer als beim letzten Treffen vor gut einem Jahr. Foto dpa

Osnabrück. Küsschen hier, Lob da – auch wenn US-Präsident beim Blitz-Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel deren „großartige Beziehung“ lobt, ist offensichtlich, dass beide inhaltlich über Kreuz liegen. Da ist es gleichgültig, ob es um das Iran-Abkommen, die Syrien-Strategie oder um Strafzölle geht. Vor allem diese möchte Merkel aus dem Weg räumen. Doch Trump ist sprunghaft.

Wenn im Vorfeld ein Erfolg einer Kanzlerinnenreise infrage gestellt wird, bewirkt das Zweierlei: Zum einen mindert es den Druck auf die Kanzlerin, die so auch in schwieriger Situation vergleichsweise entspannt agieren kann. Zum anderen können dadurch schon kleinste Positiv-Nachrichten als Erfolg gewertet werden. Es war also clever, dass das Kanzleramt vor der Abreise Angela Merkels zum Arbeitsbesuch bei US-Präsident Donald Trump Erwartungen gedämpft hat.

Tatsächlich sind die kühle, kluge Merkel und der zum Erratischen neigende Trump nicht nur charakterlich Gegensätze, auch ihre Standpunkte lassen sich schwer vereinbaren. So ist Trump der Exportüberschuss Deutschlands ein Dorn im Auge, gleiches gilt für die Profite, die deutsche Autobauer in den USA einfahren. Zölle auf Stahl und Aluminium sind so betrachtet keine Straf-, sondern eine Schutzmaßnahme.

Das sieht Merkel naturgemäß anders, weshalb auch sie auf eine Verlängerung der Ausnahmeregelung für die EU dringt. Ein Ass hat sie im Ärmel: Die EU bereitet ihrerseits Zölle vor, die die USA empfindlich treffen könnten. Auch Trump weiß, dass eine Eskalation des Streits niemandem nutzt.

Am 1. Mai läuft die Schonfrist für die EU aus. Bis dahin bleibt es spannend. Denn weil Trump so ist, wie er eben ist, könnte er sich bis dahin noch mehrfach umentscheiden.


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