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27.04.2018, 16:50 Uhr KOMMENTAR ZU KOREA

Die cleveren Schachzüge des Kim Jong Un

Kommentar von Katharina Ritzer

Nahezu kitschig sind die Bilder vom Treffen zwischen Moon Jae In (Südkorea; links) und Kim Jong Un (Nordkorea). Tatsächlich hat das Treffen der beiden Staatschefs historische Dimension. Foto: dpaNahezu kitschig sind die Bilder vom Treffen zwischen Moon Jae In (Südkorea; links) und Kim Jong Un (Nordkorea). Tatsächlich hat das Treffen der beiden Staatschefs historische Dimension. Foto: dpa

Osnabrück. Noch vor Kurzem hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit seinem „Atomknopf“ gedroht, beim Gipfeltreffen in Südkorea stellt er nun eine Denuklearisierung in Aussicht. Selbst wenn sich das als rein plakative Geste entpuppte, eines hat der Diktator erreicht: Er spielt eine Rolle auf der Weltbühne. Ein Kommentar.

Egal, ob Demokratie oder Diktatur: Es kommt immer auf die handelnden Personen an. Der Vorteil der Demokratie liegt darin, dass schwache oder schräge Regierungschefs abgewählt werden können – da fallen jedem ein paar Namen ein. Das gilt naturgemäß bei Diktatoren nicht, weshalb es in diesem Fall umso mehr auf die handelnden Personen ankommt. Bestes Beispiel ist Kim Jong Un.

Der absolutistische junge Herrscher Nordkoreas hat in den vergangenen Jahren eine strategische Meisterleistung vollbracht, die der vermeintlichen Witzfigur niemand zugetraut hatte. Mit seiner atomaren Aufrüstung, auch gegen den Willen des großen Bruders China, hat Kim sich auf gefühlte Augenhöhe zu US-Präsident Trump gebracht. Der schwer berechenbare Mann im Weißen Haus nimmt ihn inzwischen gar so ernst, dass er zum Gespräch bittet. Der clevere Kim hatte sich seinen Platz auf der Weltbühne erobert – und ging dann ganz schnell wieder auf Kuschelkurs zu China. Die Atomraketen waren also das perfekte Mittel zum Zweck.

Und jetzt lässt Kim Friedenstauben aufsteigen über der koreanischen Halbinsel, stellt ernsthaft den Verzicht auf seine atomare Trumpfkarte in Aussicht und lässt nicht nur die getrennten Familien in beiden Koreas von der Wiedervereinigung träumen. Da wird doch glatt einer zum Favoriten für den nächsten Friedensnobelpreis.


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