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26.04.2018, 18:19 Uhr ERINNERUNG AN STAATSGRÜNDUNG

70 Jahre Israel: Der Bundestag trägt Kippa

Von Uwe Westdörp


Zwei Abgeordnete sitzen mit Kippa im Plenum, als der Bundestag über den 70. Jahrestag der Gründung Israels debattiert. Foto: dpaZwei Abgeordnete sitzen mit Kippa im Plenum, als der Bundestag über den 70. Jahrestag der Gründung Israels debattiert. Foto: dpa

Osnabrück. Klare Ansage 70 Jahre nach der Gründung Israels: Der Bundestag hat sich zum Existenzrecht Israels bekannt und zum Engagement gegen Antisemitismus aufgerufen. Das Parlament wird damit der historischen Verantwortung Deutschlands ebenso gerecht wie den aktuellen Herausforderungen. Ein Kommentar.

Es ist wohltuend und verantwortungsvoll, mit welch großer Mehrheit sich der Bundestag zum Existenzrecht Israels bekennt, 70 Jahre nach der Gründung des Staates. Man mag solche Worte für Routine halten, notwendig sind sie gleichwohl. Denn Israel ist unverändert ein Staat im Ausnahmezustand – geliebt und respektiert, aber auch massiv bedroht.

Deutschland als früheres Land der Täter bleibt zentraler Teil der israelischen Geschichte. Kein anderer Staat hat gegenüber Juden so viel Schuld auf sich geladen wie das Deutsche Reich. Zu Recht gilt deshalb: Israels Sicherheit ist Teil der deutschen Staatsräson. Diese historische Verantwortung bleibt für immer.

Das heißt nicht, dass man Israel nicht kritisieren darf, etwa die Siedlungspolitik, die einer Aussöhnung mit den Palästinensern und einer Zweistaaten-Lösung zuwider läuft. Israelkritik ist nicht grundsätzlich Antisemitismus, sondern auch Ausdruck eines gemeinsamen Wertekanons, der von Demokratie sowie Menschenrechten geprägt ist.

Genau diese Werte gebieten es auch, konsequenter gegen Judenhass vorzugehen. „Berlin trägt Kippa“ - solche Aktionen sind wichtige Symbole der Solidarität. Zugleich beschämt es, dass sie überhaupt notwendig sind. Jeder Einzelne ist deshalb gefordert, menschenverachtender Ausgrenzung entgegenzutreten – jeden Tag, an jedem Ort.


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