Panzerfahrerin crasht Männer-Kleinwagen Hilfswerk kritisiert Video zur Bundeswehr-Anwerbung von Mädchen

Von Claudia Scholz

In einem neuen Werbespot der Bundeswehr, der junge Mädchen ansprechen soll, zermalmt eine Panzerfahrerin den Kleinwagen eines Mannes. Das Hilfswerk Terre des Hommes kritisiert die Kampagnen der Bundeswehr mit Minderjährigen als Zielgruppe. Foto: Screenshot BundeswehrIn einem neuen Werbespot der Bundeswehr, der junge Mädchen ansprechen soll, zermalmt eine Panzerfahrerin den Kleinwagen eines Mannes. Das Hilfswerk Terre des Hommes kritisiert die Kampagnen der Bundeswehr mit Minderjährigen als Zielgruppe. Foto: Screenshot Bundeswehr

Osnabrück. In einem Werbespot der Bundeswehr zum heutigen Girls Day zermalmt eine Panzerfahrerin einen Kleinwagen, der von einem Mann auf einem Frauenparkplatz abgestellt wurde. Das Hilfswerk Terre des Hommes kritisiert die Kampagnen zur Nachwuchswerbung scharf. Tod und Risiken bei Einsätzen würden dabei ausgeblendet.

In einer Kampagne zum Girls Day betreibt die Bundeswehr Nachwuchswerbung unter Schülerinnen ab zehn Jahren.

Auf Youtube ist der Werbespot mit dem Titel „Platz da, jetzt kommen die Girls! Girls Day bei der Bundeswehr“ zu sehen.


Das Hilfswerk terre des hommes kritisiert die Kampagnen der Bundeswehr mit Minderjährigen als Zielgruppe: „Die Bundeswehr betreibt seit Abschaffung der Wehrpflicht irreführende Reklame, um Jugendliche für den Wehrdienst zu gewinnen“, sagte Vorstandssprecher Albert Recknagel in Osnabrück. Tod und Risiken würden ausgespart. „Stets wird suggeriert, dass es dabei um Spaß und Abenteuer geht. Dass Soldaten bei Kriegseinsätzen hohen Risiken ausgesetzt sind und dabei unter Umständen Menschen töten müssen, wird nicht thematisiert.“

Der Werbespot zum Girls‘ Day sei fragwürdige Werbung zum Militärdienst bei Kindern und Jugendlichen und verletze die Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention und Schutzpflichten des Staates gegenüber unter 18-Jährigen.

Organisation: Rekrutierung auf Erwachsene beschränken

Die Bundeswehr rekrutiere immer mehr Minderjährige als Soldaten: 2017 seien es 2.128 gewesen, darunter 448 Mädchen, so viele wie nie zuvor. „Trotz massiver Probleme in der Ausbildung junger Rekruten wie sexuellem Missbrauch, entwürdigenden Aufnahmeritualen und Verletzten und Toten infolge von Fehlern von Ausbildern bei Übungen sieht die Bundesregierung bisher keinen Anlass, die Rekrutierung und Werbung von Minderjährigen zu stoppen - im Gegenteil, sie wird weiter ausgebaut“, sagte Recknagel.

Die Organisation forderte, dass sich die Bundeswehr bei ihrer Nachwuchswerbung und Rekrutierung auf Erwachsene beschränkt. Das verlange auch der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes und die Kinderkommission des Bundestages. „Nur wenige Länder rekrutieren noch Minderjährige als Soldaten, mehr als drei Viertel aller Länder weltweit halten sich an den sogenannten 18-Jahres-Standard.“

Wettbewerb um junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt

Das Bundesministerium der Verteidigung hält dem entgegen: „Die Werbestrategie der Bundeswehr ist nicht speziell auf das Ansprechen von minderjährigen Bewerbern ausgerichtet. Wir stellen mit frühestens 17 Jahren ein und nur mit Zustimmung der Sorgeberechtigten.“

Als staatliche Institution stehe die Bundeswehr auch im Wettbewerb um junge qualifizierte Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Die Rekrutierungspraxis stehe vollständig im Einklang mit dem internationalen Abkommen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.